Wie laut darf Musik sein?

Professoren der Technischen Hochschule Lübeck haben den Lübecker Hochschultag 2007 genutzt, um das Hörverhalten von SchülerInnen zu untersuchen.

Wie laut darf Musik sein?

FH Professoren untersuchten Hörverhalten bei Jugendlichen

Das rege Interesse von Schülerinnen und Schüler auf dem 7. Lübecker Hochschultag in der Musik- und Kongresshalle nutzten Prof. Dr. Jürgen Tchorz und Prof. Dr.-Ing. Birger Gigla von der Technischen Hochschule Lübeck zu einer Erhebung über das Musikhörverhalten bei jungen Menschen.

Am Stand des Instituts für Akustik der Technischen Hochschule Lübeck konnten die SchülerInnen die Lautstärke und das Hörverhalten an eigener mitgebrachter Musik überprüfen lassen. Dazu stellten sie die Musik auf individuelle angenehme Kopfhörerlautstärke ein. Die wissenschaftliche Überprüfung des hierbei erreichten Schallpegels mit Hilfe eines Kunstkopfes sorgte in manchen Fällen für Überraschung: Schallpegel bis 100 dB(A) wurden als angenehm empfunden. Im Mittel lagen die eingestellten Pegel bei 83 dB(A), wobei Schülerinnen die Kopfhörerlautstärke überwiegend leiser einstellten, als Schüler. Ergänzend zu den Messungen beschrieben die Schülerinnen und Schüler ihr Musikhörverhalten in einem Fragebogen.

Die Ergebnisse sind beängstigend. Prof. Tchorz erläutert dazu: Bei durchschnittlichen Schallpegeln ab 80 dB(A) sind in Arbeitsstätten Gehörschützer bereitzustellen. Ab 85 dB(A) muss ein Gehörschutz getragen werden, da es ansonsten zu Hörschäden kommen kann. Diese Hörschäden treten typischerweise erst zeitversetzt in späteren Lebensjahren auf. Oft können dann zunächst hohe Töne nicht mehr richtig wahrgenommen werden. In der Folge treten Schwierigkeiten beim Verstehen von Sprache auf, besonders in Situationen mit Hintergrundlärm. Ein solcher Hörverlust lässt sich nicht heilen. Den Betroffenen können dann Hörgeräte zwar helfen, den Hörschaden vollständig kompensieren (wie etwa eine Brille Kurzsichtigkeit ausgleicht) können sie jedoch nicht.

Ein regelmäßiger Musikkonsum mit 100 dB(A) ist daher nicht zu empfehlen. Prof. Gigla weist jedoch darauf hin, dass gegenwärtig bei Schallgutachten für Diskotheken mittlere Schallpegel von 100 dB(A) als realistisch angenommen werden.

Die Auswertung der  Fragebögen zeigt dabei interessanterweise, dass fast alle befragten Jugendlichen insbesondere die Schallpegel bei Techno-Veranstaltungen, aber auch bei Rockkonzerten und in Diskotheken selber als zu laut empfinden. Mehrere der Jugendlichen gaben an, nach Konzert- oder Diskothekenbesuchen unter zeitweisen Hörbeeinträchtigungen wie Ohrensausen zu leiden. Immerhin besuchen die befragten Jugendlichen durchschnittlich mindestens einmal pro Woche eine Musikveranstaltung. Das durchschnittliche Alter beim ersten Besuch einer Musikveranstaltung beträgt 14 Jahre. Bei lauten Konzerten oder in lauten Diskotheken ist daher die Verwendung von Gehörstopfen ratsam.

Beide Professoren - die Technoveranstaltungen aus dem eigenen Studentenleben noch gut kennen -  raten, das Problem nicht zu verharmlosen. Den Schülerinnen und Schülern empfehlen sie, bei lauten Musikveranstaltungen zusammen mit ihren Freunden und Freundinnen für Gehörschutz zu sorgen. Vielleicht reagiert der Markt dann zukünftig mit Ohrenstopfen in Trendfarben oder besser noch mit ein paar dB weniger auf der Tanzfläche. Aber auch die eigenen Kopfhörer, die bei den Befragten durchschnittlich acht Stunden in der Woche getragen werden, sollten nicht über längere Zeit zu laut eingestellt werden.