Forschung an der THL - Promotionsschmiede Biotechnologie

Drei Promotionen im Centrum Industrielle Biotechnologie erfolgreich abgeschlossen

Vorbereitung der Promotionsarbeit - Mitglieder der Arbeitsgruppe Biotechnologie bei der Algenernte im Skagerrak. Foto: Centrum Industrielle Biotechnologie (CIB)

Arbeitsgruppe Biotechnologie an der TH Lübeck mit den drei Promotionskandidat*innen, Ann-Katrin Lehmann, (6.v.r.), Nicole Kuhlmann, (2.v.r.) und Christian Grünewald (rechts). Foto: Centrum Industrielle Biotechnologie (CIB)

Die richtige Formel lautet Kooperative Promotion. Man nehme zwei Professuren von unterschiedlichen Hochschultypen und eine Masterstudentin bzw. einen Masterstudenten. Fertig ist das Rezept. Das Modell der Kooperativen Promotion steht beispielhaft für den erfolgreichen Abschluss von Promotionen der TH Lübeck mit der Universität zu Lübeck. Allein im Jahr 2018 haben unter der Betreuung von Prof. Dr. Uwe Englisch, Wissenschaftlicher Direktor des Centrums Industrielle Biotechnologie (CIB), drei Doktorarbeiten mit den Disputationen an der benachbarten Universität zu Lübeck ihr erfolgreiches Ende auf dem Gebiet der Biotechnologie an der TH Lübeck gefunden. 

Inhaltlich behandeln die Arbeiten von Ann-Katrin Lehmann, Nicole Kuhlmann und Christian Grünewald die Isolierung, Charakterisierung und Anwendung von Alginaten aus Makroalgen, von Xylan aus Haferspelzen sowie die Zusammensetzung von Biofilmen aus Staphylokokken. 

Obwohl die Themen fachlich auf unterschiedlichen Gebieten wie der Biochemie, der Biophysik und der Medizinische Mikrobiologie angesiedelt sind, haben sie etwas Gemeinsames: „Sie beschäftigen sich alle mit „Zucker“, mit Mono-, Oligo- und Polysacchariden“, sagt Betreuer TH-Professor Englisch. 

„Seit Etablierung der Arbeitsgruppe Biotechnologie an der TH Lübeck beschäftigen wir uns damit. Am Anfang stand das Chitin der Krabbenschale, dann kam das Pektin aus Citrusfrüchten hinzu, es folgten Polysaccharide aus Algen bis schließlich ein medizinisch relevantes Molekül, das PNAG als Hauptmolekül in Biofilmen pathogener Keime in den Focus trat. Seitdem wurden viele wissenschaftliche Arbeiten zu diesen Themen durchgeführt, von damaligen Diplom-, über Bachelor- und Masterarbeiten bis zu Promotionen. Finanziert wurden diese Arbeiten in der Regel über Drittmittelprojekte, so auch die drei angeführten Promotionen. Sie wurden durch die Exzellenz-Initiative des Landes Schleswig-Holstein unterstützt“, erklärt Professor Englisch.

Dass Forschung und Entwicklung (F&E) heute nicht mehr allein im stillen Kämmerlein eines Professors, einer Professorin stattfinden, weiß inzwischen alle Welt. Auch, dass Forschungsprojekte nicht unbedingt aus einer genialen Idee eines, einer Einzelnen entstehen. Fast immer sind exzellente F&E-Projekte das Ergebnis von Verbünden interdisziplinärer und hochschulübergreifender Arbeitsgruppen in Kooperation mit Partnern aus der Wirtschaft. 

Besonders die grundlagennahe Forschung in den Naturwissenschaften mit Blick auf industrielle Anwendungen hat sich als starkes Feld im Technologie-Transfer an der Technischen Hochschule etabliert. Auch dabei sind wissenschaftliche Netzwerke essentiell, sie verknüpfen sowohl lokale und nationale als auch internationale Arbeitsgruppen. 

So wurden die drei aktuellen Promotionen von Lehmann, Kuhlmann und Grünewald in Kooperation mit dem Leibniz Institut für Medizin und Biowissenschaften in Borstel, dem GEOMAR Helmholtz-Zentrum für Ozeanforschung in Kiel, dem Institut für Physik sowie dem Institut für Organische Chemie und Metabolismus der Universität zu Lübeck durchgeführt. Neben den akademischen Kooperationspartnern war auch die Industrie an den Arbeiten beteiligt, z.B. mit dem Lübecker Cerealien-Hersteller Brüggen und den Elmshorner Koelln-Flocken aus der Lebensmittelbranche.  

„Begonnen hatten die drei Promotionsvorhaben im Jahr 2015. Im Wintersemester 2018/ 2019 erfolgten die mündlichen Prüfungen. Alle drei Promovierten hatten bereits vor ihren mündlichen Prüfungen feste Stellen in der pharmazeutisch-chemischen Industrie“, sagt Professor Englisch nicht ohne Stolz. Und mit Blick auf die kommenden Jahre, äußert er enthusiastisch: „Gebiete wie „In Vitro Diagnostik“ von speziellen Zucker oder auch die Anwendung von „Oligosacchariden“ in der Biomedizin werden zukünftig zu weiteren Forschungs- und Transfer-Projekten führen und hoffentlich viele Promotionen hervorbringen.“ 

Ein erster gemeinsamer Forschungsantrag mit der Ernährungsmedizin der Universität zu Lübeck zu diesen Themen ist bereits gestellt.