8. Studentischer Architektur-Wettbewerb „Deeply high“ an der TH Lübeck

Dachaufstockung: „Absolut hohes Niveau und hohe Qualität“

Team No Nooks: Nicola Oestereich (links) und Swanje Inselmann mit ihrer Arbeit, ausgezeichnet mit dem 1. Preis. Foto: TH Lübeck

Dipl.-Ing. Angela Zett (4. v.l.) und Prof. Heiner Lippe (Mitte mit Mikro) bedanken sich bei der Jury, bei den Studierenden und bei den Auslobern für die tolle Arbeit. Foto: TH Lübeck

Die Juroren bei der Arbeit – vier Durchgänge, es war ein langer und harter Tag. Foto: TH Lübeck

Die Juroren bei der Arbeit – vier Durchgänge, es war ein langer und harter Tag. Foto: TH Lübeck

Juryvorsitz Reinhold Wuttke verkündet den ersten Platz und gratuliert dem Sieger-Team „No Nooks90°“ mit Nicola Oestereich (links) und Swanje Inselmann. Foto: TH Lübeck

Das Team Top Boxes mit Lisa Stopfkuchen (rechts) und Helena Hübner konnten den zweiten Preis erringen. Foto: TH Lübeck

Das Team „Take Off“ in der Besetzung mit Luca Hausleiter und Jakob Kochhafen (rechts) ist auf dem dritten Platz gelandet. Foto: TH Lübeck

Nach einem langen Tag - absolut hohes Niveau und hohe Qualität. Foto: TH Lübeck

„Absolut hohe Qualität, also wirklich – tief beeindruckend, dafür das die Arbeiten in so kurzer Zeit entstanden sind, die die Studierenden zur Verfügung hatten… Dafür war das absolut hervorragend, es hat heute richtig Spaß gemacht.“ Das war die erste Äußerung von Jurymitglied Reinhold Wuttke über die Qualität aller eingereichten Arbeiten. Wuttke ist kein geringerer als der Vizepräsident der AIK S.-H. (Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein).

„Kann ich nur bestätigen, sehr hohes Niveau für ein drittes Semester. Wir damals im Studium waren vielleicht noch gar nicht so weit wie die Studierenden hier. Wir können nur ermutigen weiter so zu machen. Das Format ist auch sehr gut, weil die Studierenden mitbekommen, wie es hinterher passiert, wie es abläuft in den Büros. Wir machen ja in unseren Büros nichts Anderes, wir diskutieren neue Konzepte so lange bis wir dann das schlüssige Konzept haben. Das passiert hier und das macht die Qualität aus“, ergänzt Jurymitglied Carsten Burghardt, Architekt bei PPP, Lübeck.

Absolute Qualität und ein hohes Niveau, das sind die Urteile von Jurymitgliedern, allesamt freie Architekten aus den nördlichen Bundesländern. Sie waren als Juroren eingeladen, um zu Ende des Wintersemesters 2019 / 2020 die Arbeiten des dritten Semesters Architektur an der Technischen Hochschule in Lübeck im Rahmen eines Studierenden-Wettbewerbs zu bewerten. Organisiert und durchgeführt wurde dieser, mittlerweile 8. Wettbewerb, für das 3. Semester Architektur der Technischen Hochschule Lübeck wiederum von Prof. Heiner Lippe und Dipl. Ing. Architektin Angela Zett, ausgelobt von dem Kieler Architekturbüro „neuwerk“ und der NEUE LÜBECKER-Norddeutsche Baugenossenschaft eG, Lübeck.

Bei dem Wettbewerb namens Deeply High ging es um die Thematik der Nachverdichtung urbaner Räume durch Aufstockungen. Vor dem Hintergrund, dass es in Deutschland in schnell wachsenden Regionen an bezahlbarem Wohnraum fehlt, Schätzungen weisen einen Bedarf von 1,2 bis 1,45 Mio. Wohnungen in diesen Regionen aus, sind besonders Strategien der Innenentwicklung und Nachverdichtung zu bedenken, vor allem bei teurem und knappem Bauland. Der Nachhaltigkeitsaspekt steht dabei an erster Linie.

„Auch ich finde es beeindruckend, was die Studierenden hier geleistet haben. Teilweise sind sie mir schon zu ‚erwachsen‘. Ich hätte es mir etwas verspielter, bisschen punkiger oder ruppiger gewünscht von den Ansätzen. So sieht es schon fast alles baubar aus“, bestätigt der Architekt Simon Vogt vom Büro COBRA-4d aus Hamburg den Eindruck. Vogt ist zum wiederholten Mal als Juror dabei.

Weitere Jurymitglieder waren die Architekt:innen Christoph Edler, Jochen Dohrenbusch, beide vom Architekturbüro NEUWERK, Kiel; Georg Conradi, Aufsichtsrat „NEUE LÜBECKER“; Andrea Kiehn, ebenfalls „NEUE LÜBECKER“ und Petra Memmler, vnw-Verband norddeutscher Wohnungsunternehmen e.V., Hamburg. Der Architekt Christoph Schild, Vizepräsident der Architektenkammer Niedersachsen sowie Präsident des Bund Deutscher Baumeister, selbst Jurymitglied seit Anfang an dieser Reihe musste leider kurzfristig die Teilnahme absagen.

In einem langen und harten Jurorentag hatte die Jury insgesamt 22 anonymisierte Beiträge der Architekturstudierenden als Einzelabgabe oder als 2er-Team mit je einem Plakat sowie einem Modell zu bewerten. Bei den Rundgängen waren die Studierenden als stumme, aber lauschende Zaungäste dabei, um zu erfahren, was an den Arbeiten zu optimieren wäre oder wo es eventuelle Mängel gibt.

Aber am späten Nachmittag stand das Ergebnis nach vier Rundgängen fest: Das Team No Nooks90° in der Besetzung mit Nicola Oestereich und Swanje Inselmann konnte den ersten Preis, dotiert mit 450 Euro, für sich erringen. Die beiden hatten sich in ihrer Arbeit von der Idee leiten lassen, keine rechten Winkel in der Außenfassade der Aufstockung einzubauen, um dieses so vom Bestandsgebäude optisch abzugrenzen. Auch die senkrechte hölzerne Außenverschalung der Aufstockung steht optisch in deutlichem Gegensatz zur Putzfassade. Die beiden haben mit der Aufstockung zwei 2-Zimmerwohnungen und sechs 3-Zimmwerwohnungen in den Größen zwischen 85 und 120 Quadratmeter zusätzlichen Raum erschließen können. Mit der Lichtdurchflutung der Räume haben sie die Jury überzeugen können.

Das Team Top Boxes mit Lisa Stopfkuchen und Helena Hübner überzeugten die Jury und konnten den zweiten Platz, dotiert mit 350 Euro, für sich gewinnen. Auch sie überzeugten mit dem Gesamtkonzept von Gestaltung, Raumprogramm, Baustoffe und Gebäudetechnik.

Nicht weit davon entfernt belegte das Team Take Off in der Besetzung mit Luca Hausleiter und Jakob Kochhafen den dritten Platz, noch mit 250,- Euro dotiert. Mit ihrem Motto „Ist das Baukunst oder kann das weg?“ ließen sie sich von dem Gedanken leiten, dass das Gebäude mit dem bewährten Grundriss eine verlängerte Lebensdauer verdiene. Mit dem Bestandserhalt und der eindeutigen Abgrenzung der Aufstockung sowie der Erschließung konnten sie die Aufmerksamkeit der Jury für die Nominierung erzielen. Da alle Arbeiten von überzeugender Qualität waren, so die Juroren unisono, wurden zwei weitere Ankäufe formuliert und alle nicht prämierten Arbeiten mit je 50 Euro als anerkennende Wertschätzung bedacht.

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