Nachruf Dieter-J. Mehlhorn (1942–2022)

Der Fachbereich Bauwesen der TH Lübeck trauert um Dieter-J. Mehlhorn

Dieter-J. Mehlhorn (1942–2022). Foto: Manfred Bossow

Dieter-J. Mehlhorn war als Architekt und Stadtplaner über Jahrzehnte eine prägende Persönlichkeit in Schleswig-Holstein und darüber hinaus. Er wirkte als Lehrer und Publizist, als Architektur- und Stadtbauhistoriker. Auf vielen Wegen engagierte er sich für einen qualitätvollen Städtebau, das baukulturelle Erbe und die Verbesserung der Planungskultur.

Geboren 1942 in Leipzig, wandte Mehlhorn sich nach seinem Studium in Braunschweig, Darmstadt und Madrid schon früh seinen Lebensthemen, der Stadtgestaltung und Stadtbaugeschichte, zu. Er promovierte an der Universität Hannover bei Cord Meckseper und Friedrich Spengelin zur Funktion und Bedeutung von Sichtbeziehungen zu baulichen Dominanten im Bild der deutschen Stadt (1979).

Bis seiner Berufung als Professor befasste sich Mehlhorn in mehreren Büros und Kommunen mit Stadterneuerung, Stadtgestaltung und Beteiligungsverfahren und blieb auch danach als Büropartner bzw. Berater planerisch aktiv. Durch sein Engagement in der Regionalgruppe der Vereinigung für Stadt-, Regional- und Landesplanung (SRL), deren langjähriger Sprecher er war, setzte er inhaltliche Akzente für qualitätvolles Planen und Bauen in Schleswig-Holstein.

Neben seinen zahlreichen Aktivitäten widmete sich Mehlhorn zeit seines Lebens dem Schreiben. Er ist Autor mehrerer Lehrbücher und wirkte als Architekturpublizist in Fachzeitschriften wie Die Alte Stadt/Forum Stadt, der Planerin, dem Deutschen Architektenblatt und der Bauwelt. Hier werden vor allem seine Rezensionen im Gedächtnis bleiben, mit denen er nicht nur den Diskurs belebte, sondern als aufmerksamer Leser und Kommentator auch die Arbeiten seiner KollegInnen würdigte. Mit seinen Büchern zur Architekturgeschichte Schleswig-Holsteins leistete Mehlhorn Grundlagenarbeit (hier sind zu nennen: Siedlungen der 20er Jahre in Schleswig-Holstein (1992), Klöster und Stifte in Schleswig-Holstein (2007) sowie Architektur in Schleswig-Holstein. Vom Mittelalter bis zur Gegenwart (2016)). Mit seinen Architekturführern über Kiel(1997, 2010, 2021) und Schleswig-Holstein (2020) vermittelte er historische und zeitgenössische Baukultur an ein breites Publikum. Und mit der Stadtbaugeschichte Deutschlands (2012) sowie dem Buch Städtebau zwischen Feuersbrunst und Denkmalschutz (2012) entstanden Veröffentlichungen zur Städtebaugeschichte, die als Standardwerke gelten können.

Als Lehrer prägte Mehlhorn eine ganze Generation von Stadtplanern und Architekten im Land. Von 1984 bis 2007 wirkte er als Professor für Städtebau und Stadtplanung im Fachbereich Bauwesen an der Fachhochschule Kiel in Eckernförde. Er war dort Direktor des Instituts für Städtebau und Verkehrswesen und hatte von 1990 bis 1993 das Amt des Prorektors inne. Die Arbeit der Architekten- und Ingenieurkammer Schleswig-Holstein unterstützte er durch sein Mitwirken in verschiedenen Ausschüssen und wirkte so als wichtiger Mittler zwischen Hochschulen und Kammer.

Und nicht zuletzt hatte Mehlhorn einen wesentlichen Anteil am Auf- und Ausbau eines eigenständigen Städtebau- und Stadtplanungsstudiengangs in Schleswig-Holstein. Gemeinsam mit seinen Professorenkollegen Bernhard Stubenvoll und Achim Laleik entwickelte er in der Phase der Konzentration der Lehre für das Bauwesen in Lübeck den ersten eigenständigen Masterstudiengang für Städtebau und Ortsplanung, der 2007 den Betrieb aufnahm. Nach seiner Pensionierung im gleichen Jahr unterstützte Mehlhorn die TH Lübeck als Lehrbeauftragter für Stadtbaugeschichte und engagierte sich im Fernstudiengang „Historische Stadt“ der Universität Lübeck. Mit der Einrichtung eines Bachelorstudiengangs Stadtplanung ergänzend zum Masterangebot an der TH Lübeck 2021 und der Entwicklung eines dezidierten Schwerpunktes zur Stadtbaugeschichte und -kultur als „Lübeck-Studien zur Stadtbaukultur“ im Masterbereich des Fachbereiches Bauwesen wurden auch Impulse Mehlhorns aufgenommen und verankert.