Mich hat schon immer interessiert, warum etwas funktioniert.

- Manfred

Von der Ausbildung zur Professur

Nicht jeder Lebensweg beginnt mit dem Plan, Professor zu werden. Manchmal führt erst eine Ausbildung zu der Erkenntnis, dass man mehr verstehen, tiefer eintauchen und selbst Neues gestalten möchte. Manfred Rößle entschied sich nach seiner Ausbildung zum Chemielaboranten für den akademischen Weg – und legte damit den Grundstein für seine heutige Professur an der Technische Hochschule Lübeck.

Nach dem Realschulabschluss begann für Manfred Rößle eine Ausbildung zum Chemielaboranten. Naturwissenschaften hatten ihn schon immer interessiert. Hinzu kam, dass eine weitere schulische Ausbildung in unserer Familie einfach nicht der gängige Ausbildungsweg war, sagt er. Schule beenden, gewerbliche Ausbildung abschließen und arbeiten: Das haben meine Geschwister und auch meine Eltern gemacht.

Nach drei Jahren Ausbildung und zwei Jahren Berufstätigkeit in dem Feld hatte sich das Interesse an den Naturwissenschaften zwar weiter vertieft, aber die tägliche Arbeit erfüllte ihn nicht mehr. Mich hat immer schon interessiert, warum etwas funktioniert und nicht, dass es funktioniert, sagt Rößle. 

Zurück auf die Schulbank

Anders als heute gab es zu dieser Zeit noch nicht die Möglichkeit auch ohne Abitur, aber mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung, ein Studium an einer Hochschule aufzunehmen. Daher entschied sich Manfred Rößle nach einmal auf der Schulbank Platz zunehmen. Sein Weg führte ihn also an die Berufsoberschule, die er nach zwei Jahren mit der fachbezogenen Hochschulreife wieder verließ. Jetzt standen ihm die Türen der akademischen Welt offen – zumindest für die technischen Fächer. 

Für mich war klar, dass ich in dem Bereich der Naturwissenschaften bleiben möchte, sagt er. Daher habe die fachbezogene Hochschulreife ausgereicht. Jetzt stand er allerdings vor einer neuen Frage: Physik oder Chemie? Was sollte er studieren? Ich wollte immer wissen, was dahinter liegt – welche Energien und Kräfte wirken da gerade?, erklärt er. Diese Antworten vermutete er damals eher im Bereich der Physik. 

Kleine Entscheidungen mit großer Wirkung

Es wurde die Ludwig-Maximilians-Universität in München. Das Leben folgt selten einer geraden Linie. Entscheidungen führen einen manchmal weg von den Plänen und hin zu Möglichkeiten, die vorher noch nicht zusehen waren. Nicht jede Entscheidung trifft man also aus einem bestimmten Grund, dennoch kann sie am Ende den Weg ebnen. Bei Manfred Rößle war es unter anderem die Wahl der Nebenfächer: Physikalische Chemie und Biophysik. 

Sowohl in seiner Diplomarbeit am Max-Planck-Institut für Biochemie, als auch in der anschließenden Doktorarbeit war es die Strahlenforschung, der sich Rößle widmete. Damit legte er den Grundstein für seine heutige Professur an der TH Lübeck. Nach der Promotion ging es für Manfred Rößle zunächst nach Frankreich an die European Synchrotron Radiation Facility (ESRF), eine Großforschungseinrichtung in Grenoble. 

Drei Jahre später führte ihn sein Weg wieder nach Deutschland, allerdings in den Norden in das europäische Labor für Molekularbiologie auf dem Gelände vom DESY in Hamburg. 

Manchmal braucht es ein bisschen Glück

Während es auf der einen Seite viel Durchhaltevermögen und Ehrgeiz braucht, hängt das Glück manchmal auch an anderen Menschen. Ich habe jemanden getroffen, der in Lübeck an der Technischen Hochschule einen Lehrauftrag hatte, erzählt Rößle. Er bat ihn darum, nachzufragen, ob nicht vielleicht jemand mit seiner Expertise gebraucht würde. Und tatsächlich: Gesucht wurde eine Person, die die Vorlesung für Röntgentechnik auf Englisch halten konnte. Für Rößle, dessen Arbeitssprache die vergangenen Jahre Englisch gewesen war, kein Problem. 

Manfred Rößle kam als Lehrbeauftragter auf den Campus nach Lübeck und blieb nach einer erfolgreichen Bewerbung als Professor für Kernphysik und Röntgentechnik im Bereich Strahlenschutz. Heute ist er zusätzlich Dekan des Fachbereichs Angewandte Naturwissenschaften. Manchmal sind es die kleinen Hilfen im Leben, die am Ende einen Weg mit ebnen, sagt er. 

Selbst die Zukunft gestalten

Wenn man an einem Thema wirklich interessiert ist und man nicht nur ein ausführendes Organ sein will, sondern auch selbst die Zukunft gestalten möchte, dann ist man an der Hochschule genau richtig, sagt Rößle. 

Sein Tipp: Eine Berufsausbildung ist kein Umweg, sondern eine hervorragende Grundlage für ein Studium. Wenn Sie sich nicht nur fragen, dass etwas funktioniert, sondern warum, dann bringen Sie bereits eine der wichtigsten Voraussetzungen für ein Studium mit: Neugier. Wagen Sie den nächsten Schritt. Der Weg lohnt sich.