
Es ist faszinierend, wenn aus der Zeichnung tatsächlich Realität wird.
- Christopher
Von der Werkstatt in den Hörsaal
Metallbauer, Wartungstechniker für den Eurofighter und jetzt Architekt: Mit seinem Studium an der TH Lübeck hat Christopher Meyn den Beruf gefunden, der seine Zukunft bestimmen soll. Der Weg dahin führt nicht nur über eine Ausbildung, die Bundeswehr und Weiterbildungen, er musste sich auch eingestehen, dass man manchmal mehr auf sein eigenes Bauchgefühl hören sollte.
Mir war klar, ich möchte etwas handwerkliches machen
, sagt Christopher Meyn. Mit 16 Jahren begeistert er sich für Autos. Vielleicht Mechatroniker? Nachdem er einige Absagen bekam, schaut er sich weiter um. Im Oktober 2005 startet er dann in eine überbetriebliche Ausbildung der Handwerkskammer zum Metallbauer für Konstruktionstechnik in Rostock.
Dreieinhalb Jahre später beendet er seine Ausbildung erfolgreich und steht wieder vor der Frage: Was jetzt? Bereits vor seiner Lehre hatte er sich bei der Bundeswehr beworben. Eigentlich mit der Idee, dort eine Ausbildung machen zu können. Stattdessen boten sie ihm nur vier Jahre ohne Ausbildung an, daher reichte er seinen Rücktritt ein. Mit der abgeschlossenen Berufsausbildung in der Tasche, bewirbt er sich erneut und unterschreibt für acht Jahre.
Weiterbildung bei der Bundeswehr
Er erhält die Möglichkeit einer Weiterbildung zum Fluggerätemechaniker und wird Wartungsmechaniker für die Eurofighter auf dem Fliegerhorst Laage südlich von Rostock. Nach sechseinhalb Jahren bei der Bundeswehr stellt sich für Christopher Meyn dann wieder die Frage: Was kommt jetzt? Ich war in meiner Schulzeit eher faul
, sagt er mit einem Grinsen. Aber die Idee einmal zu studieren, lässt ihn dennoch nicht los.
Über den Berufsförderungsdienst der Bundeswehr kann er bereits eineinhalb Jahre vor dem Ende seiner Dienstzeit eine Weiterbildung beginnen. Er entscheidet sich für den Techniker – an seiner alten Berufsschule. Ich habe dann noch einmal zwei Jahre in Vollzeit die Schulbank gedrückt
, sagt er. Das Gute: Die Bundeswehr übernimmt die Kosten der Weiterbildung.
Mit dem Techniker erhält er die Hochschulzugangsberechtigung
2017 hat er dann ein weiteres Zertifikat in der Tasche: den Techniker. Und damit verbunden auch die Hochschulzugangsberechtigung. Ein Studium rückt damit in unmittelbare Nähe, allerdings ist jetzt die Frage: Was soll er studieren? Sein Umfeld schiebt ihn in Richtung Wirtschaftsinformatik – Computersprache, Programmieren, so sehe die Zukunft aus und damit lasse sich Geld verdienen.
Anfänglich überwiegt auch die Begeisterung des Neuen, doch nach vier Semestern wirkt die Programmiersprache eher abstrakt. Ich konnte die Ergebnisse nicht anfassen, so, wie ich es aus der Werkstatt kannte
, sagt er. Ich habe dann überlegt, was ich eigentlich wirklich möchte
, ergänzt er. Das Ergebnis: Architektur.
Der Weg an die TH Lübeck
Zum Wintersemester 2020 schreibt er sich ein, zieht von Rostock nach Lübeck in eines der Studentenwohnheime auf dem Campus. Die Pandemie verzögerte den Studienbeginn ein wenig, seine Mitbewohner*innen sieht er nur kurz, dann ist er ein Jahr lang alleine in der Wohnung. Statt gemeinsam an Ideen zu basteln und im Atelier Modelle zu erschaffen, hat die erste Zeit seines Studiums eher etwas von einer Bastelstunde zu Hause
, sagt er. Dennoch packt ihn die Faszination und er bleibt dran.
Mittlerweile hat er seinen Bachelorabschluss in der Tasche und wird in gut einem Jahr mit seiner Masterarbeit fertig sein. Es ist faszinierend, wenn aus der Zeichnung tatsächlich Realität wird
, sagt er. Mit dem Architekturstudium an der TH Lübeck hat er das gefunden, was er wirklich machen möchte. Ihn treibt vor allem die Frage an: Wie entsteht ein schönes Raumgefühl, das auf möglichst viele Menschen zugeschnitten ist?
Mit dem Studium einen Weg in die Zukunft gefunden
Neben dem Studium ist Christopher Meyn in einem Lübecker Architekturbüro tätig und kann dort als Werkstudent bereits wichtige Erfahrungen sammeln. Wir bieten alle Leistungsphasen an, vom Entwurf über die Ausführung bis zur Bauleitung
, sagt er. Sein Fokus liegt dabei auf den ersten beiden Phasen, da sie sich zeitlich besser mit dem Studium vereinbaren lassen. Das, was sich durch all seine Aus- und Weiterbildungen zieht: Mir ist wichtig, dass ich am Ende sehe, was ich geschafft habe
.
Sein Tipp: Wenn man den Gedanken hat, etwas zu machen oder etwas zu verändern, dann sollte man es auf jeden Fall ausprobieren. Es hilft manchmal, auf das Bauchgefühl zu achten und der Sache eine Chance zu geben. Umentscheiden kann man sich am Ende immer noch.