
Ich wollte nie nur einen Titel, ich wollte mich weiterentwickeln.
- Daniel
Erst die Praxis, dann das Studium
Realschulabschluss, Ausbildung, Berufserfahrung, Techniker und schließlich das Studium an der Technischen Hochschule Lübeck: Daniel Donner hat seinen eigenen Bildungsweg gewählt. Heute verbindet er seine praktische Erfahrung mit wissenschaftlichem Wissen und zeigt, welche Chance ein Studium eröffnen kann – auch ohne Abitur.
Als Daniel Donner mit 15 Jahren die Realschule abschloss, wollte er vor allem eins: arbeiten. Während seiner Schulpraktika hatte er das Handwerk für sich entdeckt und wusste schnell, wohin sein Weg führen sollte. Das Praktikum im Handwerk hat mich angefixt. Ich wusste damals schon, dass ich genau dahin möchte. In dem Moment war Schule für mich durch. Ich wollte Geld verdienen, ich wollte raus
, sagt der heute 26-Jährige beim Gespräch auf dem Campus der TH Lübeck.
Direkt nach seinem Abschluss begann er seine Lehre zum Dachdecker, die er nach drei Jahren als Jahrgangsbester seines Kreises abschloss. Er arbeitete als Geselle weiter im selben Unternehmen bis ein Jahr später der Gedanke aufkam, den Meister zu machen. Doch im Gegensatz zum Techniker ist der Meister in Bezug auf die Förderfähigkeit mit deutlich mehr Hürden verbunden. Was unter anderem daran liegt, dass der Techniker ein akkreditierter Abschluss.
Meister und Techniker berechtigen zu einem Studium an einer Hochschule
Im direkten Vergleich befinden sich der Meister und der Techniker auf gleicher Stufe hinsichtlich des DQR-Niveaus (Deutscher Qualitätsrahmen). Beide befinden sich auf Stufe sechs – auf der sich beispielsweise auch der Bachelor befindet. Daher sind alle Personen mit einem dieser Abschlüsse berechtigt an einer Hochschule zu studieren.
Aufgrund der Kosten und der Möglichkeit einer Förderung fiel die Entscheidung bei Daniel Schop am Ende auf den Techniker. Diesen konnte er mit Hilfe eines Bildungsgutscheins für Weiterbildung in Vollzeit absolvieren. Nach seinem erfolgreichen Abschluss sammelte er weitere Berufserfahrung – zunächst in der freien Wirtschaft, später im öffentlichen Dienst im Bereich Hoch- und Tiefbau. Doch genau hier stieß er auf Hürden. Eine Leitungsposition – auch im Bereich Teamleitung – sei immer an einen akademischen Studienabschluss geknüpft.
Vollzeitstudium und Job müssen harmonieren
Die Idee eines Studiums war bereits vorhanden, der Umstand des Karrierestopps besiegelte die Entscheidung. Das Problem: Die Rahmenbedingungen im öffentlichen Dienst, ließen ein Vollzeitstudium nicht zu. Erst war es der Job, der aus Zeitgründen ein Studium nicht zuließ, dann passte das Angebot der Hochschule nicht
, sagt Donner über die ersten Versuche.
Heute studiert der 26-Jährige Bauingenieurwesen an der TH Lübeck. Parallel arbeitet er in einem Bauingenieurbüro und ist dort auch bereits als Bauingenieur mit 20 Stunden pro Woche beschäftigt – mehr sind während eines Vollzeitstudiums nicht möglich. Er kann die Zeit flexibel einteilen, was bedeutet, dass er in der vorlesungsfreien Zeit mehr und während des Semesters weniger arbeiten kann.
Studium mit Techniker: Von bisherigen Berufserfahrungen profitieren
Von seinem bisherigen Werdegang profitiert er jetzt sehr. Viele mathematische und technische Inhalte kennt er bereits aus der Praxis: Was hier erst im dritten Semester drankommt, hatten wir im Techniker von Beginn an schon umgesetzt.
Der Unterschied zwischen der gelebten Praxis, aus der er kommt, und dem der eher wissenschaftlichen Herangehensweise, ist etwas, dass ihm sofort auffiel.
Im Techniker wurde uns unglaublich viel Wissen in kurzer Zeit vermittelt. Im Studium muss man sich dieses Wissen selbst erarbeiten. Dafür lernt man die wissenschaftlichen Hintergründe deutlich intensiver kennen
, sagt er. Er studiert, um am Ende die Freiheit zu haben, die Berufsrichtung selbst zu bestimmen, ohne an Hürden zu stoßen. Mir ging es nie um einen Titel, ich wollte mich entwickeln.
Der Bachelor ist nicht das Ende – der Weg an der TH geht weiter
Sein Ziel hat er bereits klar vor Augen: Nach dem Bachelor soll auch noch der Master folgen. Langfristig möchte er im konstruktiven Ingenieurbau arbeiten und Brücken, Tunnel oder wasserbauliche Bauwerke planen und begleiten.
Sein Tipp: Lasst euch nicht davon abschrecken, dass euer Weg anders aussieht als der vieler anderer – Berufserfahrung ist kein Umweg, sondern ein echter Vorteil. Wer schon vor dem Studium eine Lehre gemeistert hat, bringt Verständnis und Erfahrung mit, die das Studium erst richtig spannend machen und von Tag eins an zum Erfolg führen. Wer motiviert ist und sich weiterentwickeln möchte, sollte diesen Schritt mutig wagen.
Sein Weg zeigt, dass ein Studium ohne Abitur kein Umweg ist. Es kann auch einfach der nächste Schritt sein, um auf einem bereits erfolgreichen beruflichen Weg neue Möglichkeiten zu eröffnen.