Förderprojekte

Stockholm: Nordic Urbanism | Nachhaltige Stadt-Entwicklung trotz Wachstum?

Vom 4. bis 8. Mai 2026 unternahmen wir eine Exkursion nach Stockholm, um die nachhaltige Stadtentwicklung und den nordischen Urbanismus in einer der am schnellsten wachsenden Metropolregionen Nordeuropas zu erkunden. Begleitet von Prof. Marcus Menzl und Katharina Pötzsch, widmeten wir uns der Frage, wie Stockholm trotz seines Wachstums lebenswerte Räume schafft und dabei soziale, ökologische und architektonische Herausforderungen meistert.

Unsere Route führte uns durch historische Kerne wie Gamla Stan, moderne Stadtquartiere wie Royal Seaport und Hammarby Sjöstadt, aber auch in äußere Bezirke wie Tensta, die durch soziale und bauliche Transformation geprägt sind. Besonders im Fokus standen dabei innovative Projekte wie das Stockholmshusen-Programm, das bezahlbaren Wohnraum schafft, sowie nachhaltige Infrastrukturkonzepte wie das Hammarby Eco-cycle model. Auch die Rolle von Grünflächen und urbaner Lebensqualität in Quartieren wie Djurgården und Vasaparken wurde untersucht.

Die Exkursion bot nicht nur Einblicke in die schwedische Wohnungsmarktpolitik und deren soziale Auswirkungen, sondern auch in die kulturelle Vielfalt und ökologische Ambitionen der Stadt.

Marseille: Raum, Sonne, Meer und Schatten

Die Studienfahrt nach Marseille bot die Möglichkeit, Architektur auf eine Weise zu erfahren, die weder Pläne noch Fotografien ersetzen können und zwar unmittelbar im direkten Dialog mit dem Ort. Im Mittelpunkt der Exkursion stand das Thema Verschattung, das in einer Stadt mit mediterranem Klima keine gestalterische Erscheinung ist, sondern eine grundlegende architektonische Haltung. Die Intensität der Sonne machte spürbar, dass Beschattung Lebensqualität schafft, Räume definiert und maßgeblich darüber entscheidet, wie ein Gebäude bewohnt wird. 

Die besuchten Gebäude zeigten dabei ein breites Spektrum an Antworten auf diese Frage von massiven, nahezu geschlossenen Fassaden bis hin zu Strukturen, die Licht gezielt lenken und dosieren. Das Zeichnen vor Ort erwies sich als besonders wertvoll, durch das skizzieren einer Fassade, wurde man gezwungen, sie wirklich zu verstehen, Proportionen, Konstruktionsprinzipien und Details treten dabei auf eine Art hervor, die das bloße Betrachten von Fotos nicht leistet. Ergänzt wurde das Programm durch Führungen, die historische und städtebauliche Zusammenhänge erschlossen, sowie einen Besuch im Architekturbüro von Rémy Marciano. Dieser direkte Einblick in die Praxis war besonders aufschlussreich: Im Gespräch wurde deutlich, wie stark Themen wie Klimaanpassung, Materialwahl und Nachhaltigkeit den Entwurfsprozess im mediterranen Kontext prägen, nicht als theoretische Anforderungen, sondern als Entwurfsrealität. 

Mit Blick auf den Klimawandel wird klar, dass auch wir in nördlicheren Regionen zunehmend lernen müssen, mit Hitze, Sonneneinstrahlung und veränderten klimatischen Bedingungen umzugehen. Sowohl im Entwerfen, im Bauen und letztlich auch im Alltag. Marseilles Umgang mit Verschattung ist das Ergebnis einer jahrelangen, über Generationen gewachsenen Bautradition, die wir nun mit in unser Studium und in unsere Entwürfe nehmen dürfen. 

Text: Tom-Jonte Mähl


Marseille war das Ziel unserer Pflichtexkursion im 3. Semester und wurde schnell mehr als nur eine Studienfahrt. Zwischen dem Vieux-Port, engen Gassen, kleinen Cafés und dem Blick aufs Mittelmeer erkundeten wir die Stadt größtenteils zu Fuß und konnten so den besonderen maritimen Charakter Marseilles hautnah erleben. Gerade dieser Mix aus lebendigem Alltag, rauem Charme und mediterraner Atmosphäre machte die Stadt so besonders. Im Mittelpunkt der Reise standen vor allem die Werke von Le Corbusier und Fernand Pouillon, die das Stadtbild Marseilles bis heute prägen. Besonders eindrucksvoll war dabei der gemeinsame Spaziergang zur Unité d’Habitation mit anschließender Führung durch das Gebäude. Die Dimensionen, Materialien und die Idee hinter dem Bau wirkten vor Ort noch einmal ganz anders als aus Büchern oder Vorlesungen. 

Ein besonderes Highlight war außerdem der Tagesausflug entlang der Côte d’Azur über Monaco bis nach Nizza und weiter nach Roquebrune-Cap-Martin, wo sich sowohl Le Corbusiers kleines „Cabanon“ als auch Eileen Grays berühmtes Haus E-1027 direkt an der Küste befinden. Der Kontrast zwischen der dichten Bebauung Monacos, der entspannten Atmosphäre Nizzas und der ruhigen Küstenlandschaft rund um die Gebäude machte den Tag besonders abwechslungsreich. Zusätzlich bereitete sich Monte Carlo gerade auf den Grand Prix de Monaco Historique 2026 vor, wodurch sich die gesamte Stadt in eine riesige Eventkulisse verwandelte. 

Neben den fachlichen Eindrücken bleibt vor allem die gemeinsame Zeit in Erinnerung: lange Wege durch die Stadt, spontane Gespräche, neue Perspektiven und viele kleine Momente zwischendurch, die uns als Gruppe noch enger zusammengebracht haben. 

Text: Luca Storm