Neuberufener Professor Tom Alby: Zwischen Bach, Big Data und künstlicher Intelligenz

Informatik und Musik, Statistik und Sprache, Management und Philosophie – der Digitalexperte, Autor und Vortragsredner Dr. Tom Alby hat aus seinen vielen Interessen einen Traumberuf gemacht. Jetzt wird daraus eine Berufung: Ab Oktober 2026 wird er seine Erfahrungen am Fachbereich Maschinenbau und Wirtschaft als Professor für Wirtschaftsinformatik/Data Science an die Studierenden weitergeben.

Ein Mann in einem Anzug mit Krawatte vor einem Banner.

Dr. Tom Alby ist neu berufener Professor der TH Lübeck für Wirtschaftsinformatik/Data Science im Fachbereich Maschinenbau und Wirtschaft. Foto: TH Lübeck.

Seine Karriere begann Alby in den 1990er Jahren mit einem Studium der Anglistik, Germanistik und Informatik an der Universität Bielefeld – und einer kurzen Karriere als Drummer in einer Heavy-Metal-Band. Wir waren sagenhaft erfolglos, erinnert er sich – und ist froh, es probiert zu haben. Alternativen zum Beruf des Profi-Musikers gab es viele, denn seine Neugier war breit gefächert: Datenbanken, Online-Marketing, Projektmanagement, Data Science und KI faszinierten ihn schon während des Studiums. Alby veröffentlichte schon Jahre vor seiner Promotion Paper und Fachbücher. Ich habe mich immer gern sehr tief in ein Thema eingearbeitet, will Dinge genau verstehen.

Transfer von Forschung direkt in die Anwendung

Seit 1994 arbeitet Tom Alby im Digitalbereich, davon viele Jahre bei Suchmaschinen wie Fireball, Lycos und Ask.com. Der Transfer von wissenschaftlichen Erkenntnissen direkt in die Anwendung bestimmte schon früh mein Denken. Bei Google leitete er als Sales Lead Analytics 360 den Roll‑out einer neuen Analytics‑Suite für die DACH‑Region, er baute bei Interone/BBDO ein Data Science‑Team und eine Data Academy auf und entwickelte in weiteren Positionen datenbasierte Produkte und Services.

Wissen und Erfahrung in der Lehre weitergeben

Bereits seit 2009 engagiert er sich zudem als Lehrbeauftragter für Statistik und Data Science an der HAW Hamburg, seit 2022 zudem an der Humboldt‑Universität zu Berlin, wo er Theorie und praxisnahe Projekte in R und Python verbindet. Ich freue mich darauf, mein Wissen und meine Erfahrung an junge Menschen weiterzugeben. Ich hoffe, ich kann hier etwas bewegen! Mir haben viele Menschen auf meinem Weg geholfen – auch wenn ich mal nicht so funktioniert habe, wie man es erwartet. Lehre ist so viel sinngebender als die Ausarbeitung der 13. Power-Point-Präsentation für eine Vorstandssitzung.

Zuletzt war Alby als Chief Digital Transformation Officer bei Allianz Trade verantwortlich für Data‑Science‑Projekte, die Entwicklung von ML‑basierten Analysen und die Einführung datengetriebener Prozesse. Mein aktueller Forschungsschwerpunkt zielt darauf ab, große Sprachmodelle (LLMs) mit klassischen Data‑Science‑Ansätzen zu verknüpfen und in Geschäftsprozessen nutzbar zu machen, so Alby.

Promotion und ein neues Musikinstrument in der Corona-Zeit

Mitten in der politischen Rushhour seines Lebens kam Corona – und er hatte plötzlich unerwartet Zeit, sich gleich zwei Wünsche zu erfüllen. Erster Wunsch: Sich mal wieder in ein Thema vertiefen mit einer Forschungsarbeit. 2024 schloss er seine Promotion zum Thema Künstliche Intelligenz in der Webanalyse (Data literacy of web analytics tool users and potential paths for actionable knowledge discovery) an der philosophischen Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin ab.

Privat erfüllte er sich einen Wunsch, den er schon als Kind in sich trug: er lernte Querflöte spielen. Musik und Informatik passen gut zusammen, sagt er. Ich bin ein großer Fan sowohl von Bach als auch von Brian Eno. Während man in Bachs Musik Strukturen erkenne, begeistere ihn Eno als Erfinder der Ambient-Musik und durch seine experimentelle Entdeckerfreude. Bach hat sich stets ein Thema genommen und es komplett durchdekliniert. Eno sucht eher nach neuen Lösungen und neuen Erkenntnissen, sagt Alby. Diese beiden Herangehensweisen benötige man auch in der Wissenschaft. Es gibt viele spannende Möglichkeiten, Dinge zu verknüpfen.

Kognitive Schulden: Wie wirkt sich die KI auf unser Denken aus?

Und auch mit Lübeck verbindet den gebürtigen Duisburger eine Leidenschaft. Ich bin Thomas-Mann-Fan, verrät er. Sprache ist überhaupt ein Thema, dass die philosophische Ecke seines Gehirns stets beschäftigt hat: Mich interessiert die Auswirkungen von KI auf unser Denken, sagt er. Jede Technologie strukturiere unser Denken neu. Schon Sokrates habe damals bei der Einführung der Schrift befürchtet, dass der Erkenntnisgewinn durch den Dialog abnimmt. Das war nicht so, stattdessen haben wir nicht nur andere Worte gefunden, sondern eine ganz neue Art zu denken entwickelt. Im Schreiben findet der Mensch zu sich selbst, zitiert Alby.

Und jetzt? Was geht verloren, wenn wir nicht mehr selbst schreiben? Studien zeigen, dass der Einsatz von KI-Assistenten zu sogenannten kognitiven Schulden führen kann. Es ist das erste Mal in der Geschichte, dass wir eine neue Technik nicht als Werkzeug nutzen, sondern das Denken komplett auslagern, überlegt Alby. Seine Lehre folgt daher einem konstruktivistischen Ansatz: Studierende sollen Wissen nicht passiv konsumieren, sondern aktiv konstruieren. Wie können wir dafür sorgen, dass die KI ein Werkzeug bleibt? Wieder eine spannende Verknüpfung. Darüber möchte ich gern mit den Studierenden ins Gespräch kommen.

Wo ist Prof. Dr. Alby in Zukunft zu finden? 

Fachbereich Maschinenbau und Wirtschaft

Unter anderem für den Studiengang Wirtschaftsinformatik/Data Science