Schnupperstudium 2026: Hörsaal statt Hörensagen

Ein Studium kann der Beginn eines neuen Lebensabschnitts sein – vielleicht verbunden mit dem ersten Auszug von zu Hause und einem neuen Umfeld. Damit der Einstieg leichter fällt, hilft es, sich frühzeitig zu fragen: Passt ein Studium zu mir? Und wenn ja, welches? Beim Schnupperstudium der TH Lübeck konnten Studieninteressierte genau das herausfinden. Sie kamen mit Studierenden und Alumni ins Gespräch, erhielten wichtige Informationen rund um den Studienstart und besuchten Vorlesungen.

Jugendliche im Seminarraum

Beim Schnupperstudium setzen sich die Studieninteressierten in echte Vorlesungen. Foto: TH Lübeck.

Eine Gruppe junger Menschen läuft über den Campus.

Bei einer Campusführung besuchten die Teilnehmenden unter anderem die Werkstatt der Seagulls, die Materialprüfanstalt und den Escape Room der TH Lübeck. Foto: TH Lübeck.

Studierende stehen vor einer grünen Tafel.

Studierende beantworten Fragen der Studieninteressierten. Foto: TH Lübeck.

Junge Menschen laufen die Treppen vom Audimax herunter.

Studieninteressierte unterwegs auf dem Campus während des Schnupperstudiums. Foto: TH Lübeck.

Drei Jugendliche sitzen im Seminarraum und hören zu.
Gruppenfoto im Grünen mit Alumna.

Beim Schnupperstudium für Frauen stellten die Alumnae Saskia, Lisa, Inga, Sofie und Kaya (v. l. n. r.) ihre Werdegänge vor. Foto: TH Lübeck.

Wisst ihr, was eine Fachhochschule von einer Universität unterscheidet? Mit dieser Frage eröffnet Stefan Dupke den ersten Tag des Schnupperstudiums an der TH Lübeck. Nach und nach füllt sich der Seminarraum. In den Reihen sitzen vor allem Schüler*innen, aber auch Auszubildende und junge Erwachsene, die sich beruflich neu orientieren möchten. Die meisten kommen aus Lübeck und Umgebung, einzelne haben auch eine längere Anreise aus Schwerin oder Minden auf sich genommen. Nach der Anmeldung, bei der ihnen ein Turnbeutel und eine Essensmarke überreicht werden, beginnt für sie ein zweitägiger Einblick in den Studienalltag.

Vorlesungen wie im echten Studium

Der spannendste Programmpunkt für viele: der Besuch regulärer Vorlesungen. In der Veranstaltung Konstruktions- und Maschinenelemente Maschinenbau I veranschaulicht Professor Sung-Won Choi mit einer Schaumstoffwelle in der Hand Druck-, Zug- und Torsionskräfte. Während die Studierenden ihre Tablets oder Laptops nutzen, sitzen die Gäste des Schnupperstudiums mit Block und Stift in den Reihen und verfolgen aufmerksam die Vorlesung. Ganz anders geht es in Business English I zu. Gemeinsam werden Dialoge für Bewerbungsgespräche besprochen. Professorin Sylvia Geppert gibt Tipps für einen gelungenen Small Talk und macht deutlich, wie wichtig neben fachlichen Kompetenzen zwischenmenschliche Fähigkeiten sind. 

Dass Hochschullehre anders funktioniert als Schule, erleben die Teilnehmenden unmittelbar, und entdecken doch Vertrautes: Eine Elfklässlerin erkennt in einer Mathevorlesung binomische Formeln und die PQ-Formel wieder. Ich habe gemerkt, dass es gar nicht so furchteinflößend ist, sagt sie. Die Vorlesungen haben sie in ihrem Studienwunsch bestärkt.

Studierende beantworten die Fragen aus erster Hand

Wie viel verdient man, wenn man dual studiert? Und hilft eine Ausbildung beim späteren Studium? Diese Fragen richten die Teilnehmenden direkt an Studierende der TH Lübeck. Bernd Ole berichtet, dass ihm seine technische Ausbildung geholfen habe, Zusammenhänge schneller zu verstehen. Ich konnte schon Vieles einordnen, was der Professor erzählt hat, beschreibt er seine Erfahrung. Gleichzeitig sei das Studium deutlich anspruchsvoller, weil nicht mehr mit Faustregeln gearbeitet werde, sondern auf die Nachkommastelle gerechnet werden müsse.

Auch Svenja, Khatun, Berfin und Elli sprechen offen über ihren Studienalltag. Sie erzählen von fehlender Anwesenheitspflicht, selbst organisiertem Lernen und Gruppenarbeiten mit Menschen, die man vorher gar nicht kannte. Besonders in Erinnerung geblieben sind ihnen Praxisprojekte – etwa die Entwicklung einer automatisierten Lösung für einen Produktionsprozess bei Dräger oder Laser-Arbeiten im Biomedizintechnik-Studium.

„Der Mut kommt nebenbei."

Wie unterschiedlich die Wege nach dem Studium verlaufen können, zeigen die Alumni der TH Lübeck. Sie arbeiten heute unter anderem als Ingenieurin bei den Stadtwerken Lübeck, als wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule oder als Mitgründerin eines Architekturbüros. In persönlichen Gesprächen berichten sie von ihrem Berufseinstieg und geben den Teilnehmenden mit auf den Weg, dass sich Karrieren nicht geradlinig entwickeln müssen.

Beim Schnupperstudium speziell für Frauen, das eine Woche vor dem Schnupperstudium für alle stattfand, geht es anschließend auch um die Rolle von Frauen in technischen Berufen. Kaya erinnert sich daran, dass in ihrem Elektrotechnikstudium zeitweise nur noch zwei Studentinnen im Semester waren. Man fällt auf – positiv wie negativ, erzählt sie. Umso wichtiger sei es, sich etwas zuzutrauen und den eigenen Platz einzunehmen. Auch Inga, die heute Teamleitung bei TraveNet ist, ermutigt die Schülerinnen, selbstbewusst aufzutreten und sich nicht zurückzuhalten. Sie fasst ihre Erfahrung einem Satz zusammen: Der Mut kommt nebenbei.

Orientierung statt Entscheidung unter Zeitdruck

Neben Vorlesungen und Gesprächen erhalten die Teilnehmenden wichtige Informationen zur Studienfinanzierung. Dabei räumt Dipl.-Pädagogin Stefanie Prüss mit verbreiteten Irrtümern auf und erklärt, warum viele Studierende ihren BAföG-Anspruch unterschätzen. 

Zum Ende des Schnupperstudiums ziehen viele Teilnehmende ein positives Fazit. Eine Abiturientin, die Vorlesungen im Maschinenbau sowie im Wirtschaftsingenieurwesen besucht hat, fühlt sich nach den beiden Tagen in ihrer Entscheidung für ein Studium an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften bestärkt. Besonders gefallen habe ihr, dass die Vorlesungen durch Fragen und Diskussionen geprägt gewesen seien.

Auch der 22-jährige Hassan nutzte das Schnupperstudium, um ein Gefühl für den Studienalltag zu bekommen. Nach seiner Ausbildung zum Kaufmann für Sport und Fitness möchte er Wirtschaftsinformatik studieren. Ich habe für mich mitgenommen, dass ich garantiert nach meiner Ausbildung noch ein Studium machen möchte, sagt er. Besonders der wirtschaftliche Teil des Studiums passe aus seiner Sicht gut zu seiner kaufmännischen Ausbildung.

Für viele endet das Schnupperstudium nicht mit einer endgültigen Entscheidung, sondern mit etwas ebenso Wertvollem: einer realistischen Vorstellung davon, wie sich Studieren tatsächlich anfühlt. Und genau das macht den Schritt in den nächsten Lebensabschnitt ein gutes Stück leichter.

Das Schnupperstudium wurde vom NDR begleitet. Den Beitrag im Schleswig Holstein Magazin finden Sie hier.