Mein Weg an die TH Lübeck: Vom Chemielabor in Bayern zum Dekanat in Lübeck
Ich stamme aus Bayern, komme aus einem klassischen Arbeiterhaushalt. Nach der Realschule machte ich erst einmal eine Ausbildung als Chemielaborant, arbeitete, ging zurück zur Schule, machte als erster in meiner Familie Abitur und studierte an der Uni München Physik. Promoviert habe ich am Max-Planck-Institut in Martinsried. Damals wurde ich regelrecht angefixt von der Forschung – und mich fasziniert bis heute, was man mit Röntgenstrahlen sichtbar machen kann.
Nach der Promotion führte mich mein Weg an die Europäische Synchrotronstrahlungsquelle (ESRF) in Grenoble und später nach Hamburg, wo ich als Wissenschaftler Anlagen konzipierte und mit internationalen Teams arbeitete. Das war eine inspirierende Zeit – exzellente Forschung, interdisziplinäre Zusammenarbeit, und ich habe gelernt, wie Kommunikation Forschung trägt. Oft habe ich auch mit Ingenieuren und Techniker an der Anlage selbst mitgeschraubt.
Mich fasziniert die Schnittstelle zwischen Physik, Technik und Anwendung. Forschung bedeutet für mich Zusammenarbeit – mit Kolleginnen und Kollegen aus der Chemie, Biomedizin oder Informatik. An diesen Schnittstellen entstehen oft die spannendsten Ideen, weil sich Perspektiven kreuzen.
Ein Kollege brachte mich schließlich auf die Idee, einen Lehrauftrag an der TH Lübeck anzunehmen. Da habe ich gemerkt: Lehren liegt mir! Seit 2012 bin ich Professor für Röntgentechnik und Kernphysik/Strahlenschutz im schönen Lübeck.
Meine Aufgaben: Theorie und Praxis weitergeben, Hochschule gestalten
Die Arbeit an einer Hochschule für Angewandte Wissenschaften empfinde ich als ideale Verbindung von Theorie und Praxis. Die Berufung an eine HAW ist für mich ideal für Menschen, die die Welt nicht nur theoretisch, sondern auch praktisch begreifen und dieses Wissen weitergeben wollen.
Ich bilde hier junge Menschen zu Ingenieurinnen und Ingenieuren aus – eine Berufsgruppe, die sowohl in der Wissenschaft als auch in der Wirtschaft unverzichtbar ist. Ohne gute Ingenieurinnen und Ingenieure können sich Menschen viele gute Ideen überlegen, aber jemand muss daraus ein nutzbares Gerät bauen!
Mir ist wichtig, dass Studierende lernen, nicht nur Formeln zu beherrschen, sondern Zusammenhänge zu verstehen. Ich will ihre Neugier wecken und sie ermutigen, selbst zu denken – und zwar auch dort, wo es keine fertige Lösung gibt. Eine gute Ingenieurin, ein guter Ingenieur zeichnet sich durch kritisches Denken und praktische Kenntnisse gleichermaßen aus.
Als Dekan des Fachbereichs Angewandte Naturwissenschaften schätze ich besonders die Möglichkeit, Entwicklungen anzustoßen, Gestaltungsmöglichkeiten zu öffnen und Verantwortung zu übernehmen.
Die akademische Selbstverwaltung ist für mich ein Privileg – sie gibt uns Gestaltungsspielräume, die wir im Team mit Kolleginnen und Kollegen, den Geschäftsführungen und dem Präsidium verantwortungsvoll nutzen.
Mein Team: Eine Mischung aus vertrautem und neuem Kolleg*innen
In meiner Arbeit bin ich an einer Schnittstelle zwischen langjährigen Wegbegleiter*innen und immer wieder neuen Gruppen. In der Dekanerunde tausche ich mich regelmäßig mit Kolleginnen und Kollegen aus anderen Fachbereichen aus – ein Blick über den Tellerrand, der für mich sehr wertvoll ist. Entscheidungen werden gemeinsam diskutiert, und das Miteinander ist klar konsensorientiert.
Auch meine Forschungs- und Arbeitsgruppen verändern sich stetig. In den vergangenen Jahren habe ich wissenschaftliche Mitarbeitende und Promovierende begleitet, die einige Jahre hier arbeiten und dann – so wie ich damals auch – weiterziehen. Dadurch entsteht eine besondere Mischung: ein vertrautes Kernteam, mit dem ich lange zusammenarbeite, und gleichzeitig immer wieder neue Menschen, die frische Perspektiven mitbringen.
Diese Dynamik ist für mich ein großer Gewinn. Sie hält mich wach, erweitert meinen Horizont und macht die Arbeit an einer Hochschule lebendig.
Mein Arbeitsalltag: Gut planbar zwischen Hörsaal, Labor und Campusleben
Während der Vorlesungszeit bin ich viel im Hörsaal und im Labor unterwegs. Ich vermittle Theorie und Praxis gleichermaßen – beides gehört zusammen.
Als Dekan plane ich meinen Arbeitsalltag genau, um Lehre, Forschung und Organisation miteinander zu verbinden. Man braucht Struktur und Präsenz, aber genau das macht den Beruf so spannend. Kein Tag ist wie der andere.
Eine Hochschule ist für mich mehr als ein Lernort. Sie ist ein Raum für Entwicklung, für Verantwortung und für die Frage, wie wir Technologie und Wissen sinnvoll und nachhaltig in die Gesellschaft tragen.
Mein Lieblingsort: Kaffee am Kiosk, Ruhe am See
Mein Lieblingsort auf dem Campus ist morgens der Kiosk an der Endhaltestelle. Ich gehe dort gern vor Dienstbeginn vorbei – Thorsten hat guten Kaffee, und hier treffen sich Professorinnen und Professoren, Studierende, Laboringenieure sowie Kolleginnen und Kollegen aus der Verwaltung. Es ist eine Informationsbörse für Dienstliches und Privates, vieles lässt sich in einem Gespräch einfach besser klären.
Nach Feierabend zieht es mich in die Seenlandschaft bei Ratzeburg. Einer meiner Lieblingsorte ist der Garrensee bei Ziethen im Naturschutzgebiet Salemer Moor – ein stiller Ort, an dem die Gedanken zur Ruhe kommen dürfen und manchmal auch neue Ideen entstehen.
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Beruf? Berufung! Werden auch Sie Professor*in an der TH Lübeck!
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