Wie wollen wir künftig Wohnen?
Das 700. Baugespräch der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. mit Unterstützung der Technischen Hochschule Lübeck widmete sich dem brandaktuellen Thema.
100 Teilnehmer*innen haben sich am 10.03. 2026 in den Holstenhallen in Neumünster im Zukunftsatelier Wohnen getroffen, um einen ganzen Tag lang interdisziplinär mit dem scheinbar ganz einfachen und dann doch so komplizierten Thema Wohnen zu befassen.
Nach einem eindrucksvollen Impulsreferat des Soziologen Harald Welzer zu Beginn wurde an zehn Arbeitsthemen in kleinen Workshops weiterdiskutiert.
Das Haus der Gefühle, sein neuer Buchtitel zog sich als Leitfaden durch Welzers Vortrag. Der Verlust von Erwartungssicherheit und die Kommerzialisierung des Wohnens, die mit dem Verkauf des Sozialen Wohnungsbaus in den 1990er Jahren einher ging, sind - nicht nur - seiner Ansicht der Ausgangspunkt für die zunehmende Verunsicherung. Er bemängelt, dass wir üblicherweise versuchen, die Probleme lediglich technisch und funktional zu lösen und dabei zu schnell die sozialen Komponenten außen vor lassen, und noch viel folgenreicher, die Bewirtschaftung von Emotionen überlassen wir den schlechten Menschen
.
Neben den jüngsten Polykrisen führt dies zum Verlust der Versorgungssicherheit. Als Beispiel nennt er die Bahn im Vergleich in Deutschland und in der Schweiz. Während die Menschen in der Schweiz entspannt an den Stationen miteinander interagieren können, weil sie einfach sicher sein können, dass in jedem Fall ein Zug kommt, ist man in Deutschland damit befasst, ob der Zug, den man sicherheitshalber lange zuvor gebucht hat, pünktlich kommt, ob es mit den Anschlusszügen klappt oder ob er vielleicht gar nicht fährt.
Welzer sieht die grundlegenden Ansprachen einfach: Die erste Priorität muss sozial definiert werden, nicht technisch, nicht funktional. Das ist auch die Zukunft des Wohnens.
Nachfragen aus dem Plenum wurden sehr konkret und ausführlich beantwortet.
Derart motivierend eingestimmt verteilte sich die Versammlung an die zehn fachkundig moderierten Dialogtische. Sechs der Dialogtische wurden von Lehrenden der Technischen Hochschule Lübeck moderiert. Jeder und Jede mit der jeweils eigenen Expertise konnte seine (Er-)Kenntnisse zum Thema einbringen.
- WOHNEN in der Gemeinschaft | A
- WOHNEN im nachhaltigen Quartier | B
- WOHNEN mit klimaneutraler Energieversorgung | CH
- WOHNEN im Digitalmodus | E
- WOHNEN mit leistbaren Lösungen | G
- WOHNEN mit geteilter Fläche | P
- WOHNEN mit Mobilität | R
- WOHNEN im ländlichen vs. urbanen Raum | S
- WOHNEN mit Flexibilität | U
- WOHNEN mit biologischer Vielfalt | Ä
Das Geheimnis der seltsamen Buchstabenwahl lüftete sich bei der Vorstellung der Ergebnisse.
Es war das 700. Baugespräch der Arge SH e.V.
Herzlichen Glückwunsch!
Sagt Astrid Holz






