wandel gestalten. Das Netzwerk Lucius Burckhardt und der Werkbund

14:30 Uhr, Ausstellung, WerkbundForum, Weckmarkt 5, 60311 Frankfurt am Main

Ökologisches Lehmhaus mit grasbewachsenem Gründach und Schornstein.

Ab 1978 widmet er sich Gernot Minke dem ubiquitär vorhandenen, allerdings in Deutschland vergessenen Baustoff Lehm. An der Gesamthochschule Kassel entwickelt er verschiedene Methoden für Stampflehm, Lehmstränge sowie Lehmsteine; in der von ihm mitgeplanten Ökosiedlung in Kassel entwirft und errichtet er 1982–85 die ersten Wohnhäuser aus Lehm mit Dachbegrünung.

Foto: UniArchiv Kassel (UniA KS) Min 32

Lucius Burckhardt hält einen Bebauungsplan von Kassel unter dem Arm.

Der Soziologe Lucius Burckhardt übernimmt 1976 den Vorsitz vom Architekturhistoriker Julius Posener. Burckhardt ist das Mastermind der Neuausrichtung im Deutschen Werkbund. Nach jahrelangem Beschuss von konservativer Seite der Werkbunds gibt Burckhardt 1983 den Vorsitz auf, womit diese spannende Ära ihr Ende findet.

Foto: Annemarie & Lucius Burckhardt Dia Archiv © Martin Schmitz Verlag

Geodätische Kuppel, teilweise von herbstlichen Rankpflanzen überwachsen.

Im Zentrum von Rudolf Doernachs Werk steht das Biohaus sowie der von ihm geprägte Begriff Biotektur. Gebäude begreift er als lebendige Systeme, die Energie, Wasser und Materialien in Kreisläufen nutzen und aktiv mit Klima, Pflanzen und Nutzung interagieren. Architektur wird damit zu einem offenen Prozess statt zu einer starren Form.

Foto: Markus Bärlocher

Heller Wohnraum mit Holzrahmenbau, großen Fenstern und vielen Pflanzen.

Walter Segal entwickelte preiswerte Holzhäuser für den Selbstbau. Die „Segal-Methode“ basiert auf einer modularen, gerasterten Holzrahmenkonstruktion auf Punktfundamenten. Die Einfachheit ermöglicht den Selbstbau und spätere Anpassung durch Laien. Bekannt sind die kommunalen Selbstbauprojekte Segal Close und Walters Way (1979–86) in Lewisham im Süden Londons.

Foto: Taran Wilkhu

Zweistöckiges Holzhaus mit roter Fassade und angebautem Gewächshaus.

Walter Segal entwickelte preiswerte Holzhäuser für den Selbstbau. Die „Segal-Methode“ basiert auf einer modularen, gerasterten Holzrahmenkonstruktion auf Punktfundamenten. Die Einfachheit ermöglicht den Selbstbau und spätere Anpassung durch Laien. Bekannt sind die kommunalen Selbstbauprojekte Segal Close und Walters Way (1979–86) in Lewisham im Süden Londons.

Foto: Taran Wilkhu

Plakat „wandel gestalten“. Alle Ausstellungs-Infos stehen im Fließtext.

Plakat zur Ausstellung

Ort und Zeit

Vernissage: Donnerstag, 19. März 2026, um 18:30 Uhr
Laufzeit: 20. März bis 03. Juni 2026
Ort: WerkbundForum, Weckmarkt 5, 60311 Frankfurt am Main

Öffnungszeiten:

  • Dienstag: 14:30 – 17:30 Uhr

  • Mittwoch: 15:30 – 18:30 Uhr

Über die Ausstellung: Die Bauwende im Fokus

Die Prinzipien moderner Architektur und Stadtplanung haben sich seit dem Zweiten Weltkrieg so umfassend durchgesetzt, dass sie das Erd- und Klimasystem destabilisiert haben. Sie stehen heute vor einer tiefgreifenden Transformation: der Bauwende. Anlässlich des 50. Jubiläums von Lucius Burckhardts Zeit als ersten Vorsitzenden des Deutschen Werkbundes richtet die Ausstellung wandel gestalten. Das Netzwerk Lucius Burckhardt und der Werkbund im WerkbundForum des Deutschen Werkbund Hessen den Blick in zwei Richtungen: zurück auf die Tradition des ökologischen Bauens seit den 1970er Jahren und nach vorne auf die Gegenwart der digitalen Transformation.

Die Ausstellung ist kuratiert von Felix Dölker und Alexander Stumm und entstand in Zusammenarbeit mit Studierenden der Hochschule Darmstadt und der TH Lübeck.

Teil 1: Die Wurzeln des ökologischen Bauens (1976–1983)

Der erste Teil der Ausstellung widmet sich den vielfältigen Ausstellungs-, Veranstaltungs-und Publikationsprojekten des Werkbundes in den Jahren 1976–83. Der Werkbund stand in dieser Zeit für eine Fundamentalkritik an der konventionellen Bauindustrie und der von oben herab geplanten, autogerechten Stadt – und er propagierte neue partizipative Strukturen und ökologische Konzepte. Lucius Burckhardt, ein Soziologe, war allerdings nur der Kopf eines viel größeren Akteursnetzwerks, zu dem auch Michael Andritzky, Ot Hoffmann, Rudolf Doernach, Gernot Minke, Walter Segal oder Eilfried Huth zu zählen sind. Ihre radikale Offenheit für eine andere Architektur kann Vorbild für die Bauwende sein. „wandel gestalten“ will damit einen kaum aufgearbeiteten Teil der Werkbund-Geschichte ins Bewusstsein bringen.

Teil 2: Promenadologie im digitalen Zeitalter

Im zweiten Teil richtet die Ausstellung den Blick auf die Gegenwart und fragt, wie sich die kritischen Themen des Werkbundes und Lucius Burckhardts eigene planerische Ansätze – insbesondere die Promenadologie – auf die Herausforderungen des digitalen Zeitalters übertragen lassen. Dabei rückt sie die unsichtbaren Architekturen der Digitalisierung in den Fokus und spannt den Bogen von algorithmisch

gesteuerten Plattformen und KI-gestützten Planungstools bis zu den Klimafolgen und sozialen Problemen digitaler Infrastrukturen. Wie Burckhardt seinerzeit mit feinem Gespür die fossilen Logiken der autogerechten Stadt auseinandernahm, gilt es heute, die Machtverhältnisse, die Umweltauswirkungen und Gestaltungslogiken digitaler Räume zu entschlüsseln – und nach partizipativen Alternativen zu suchen.

Begleitende Publikationen

Flankiert wird die Ausstellung von Büchern mit den Texten Lucius Burckhardts zur Promenadologie, die in einem Typografieseminar unter der Betreuung von Su Korbjuhn, Vincent Brod und Rade Matic erarbeitet wurden.

Rahmenprogramm & Partner*innen

Die Ausstellung findet im Rahmen der World Design Capital 2026 in Frankfurt RheinMain statt und wird von einem Veranstaltungsprogramm mit Panel-Diskussion und Stadtspaziergängen begleitet. Kooperationspartner sind die Hochschule Darmstadt und die TH Lübeck.