Labor für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik
Die Versuchs- und Ausbildungskläranlage (VAK) Reinfeld befindet sich auf dem Gelände der kommunalen Kläranlage Reinfeld (Kreis Stormarn) und ist Teil des Labors für Siedlungswasserwirtschaft und Abfalltechnik der Technischen Hochschule Lübeck. Die Anlage geht auf das Dringlichkeitsprogramm des Landes Schleswig-Holstein aus den 1990er Jahren zurück, mit dem die Nährstoffelimination an großen Kläranlagen verbessert und Nord- sowie Ostsee entlastet werden sollten. Der Betrieb der VAK wurde im Sommer 2006 aufgenommen; die offizielle Eröffnung erfolgte am 31. Mai 2007.
Die VAK ist eine Anlage im halbtechnischen Maßstab. Sie wird mit vorgeklärtem kommunalem Abwasser aus der benachbarten Kläranlage beschickt (0,5 bis 2,0 m³/h; entspricht ca. 100 Einwohnerwerten). Der Regelbetrieb erfolgt als Belebtschlammverfahren mit vorgeschalteter Denitrifikation. Eine umfassende Online-Analytik in Kombination mit einer darauf abgestimmten Steuerung ermöglicht die kontinuierliche Überwachung zentraler Abwasserparameter im Zulauf, in der Belebungskaskade und im Ablauf. Grundlage ist ein speziell auf die VAK zugeschnittenes Prozessleitsystem, das laufend weiterentwickelt wird.
Bis Ende 2025 wurde die VAK um Pilotanlagen der sogenannten 4. Reinigungsstufe zum weitergehenden Rückhalt von Spurenstoffen (z. B. Arzneimittelrückständen) erweitert. Die modular und transportabel konzipierten Verfahrensstufen erlauben Untersuchungen einzelner Verfahren sowie verschiedener Verfahrenskombinationen im halbtechnischen Maßstab. Zur Verfügung stehen:
- Ozonung
- Filtration über granulierte Aktivkohle (GAK)
- Pulveraktivkohle-Behandlung (PAK) mit Kontaktbecken und Separator
- Tuchfiltration (Mikrofiltration) zur Abtrennung der PAK bzw. als Vorbehandlung vor der Ozonung
- Membranbioreaktor (MBR), alternativ als eigenständige Ultrafiltrationseinheit (UF), z. B. zum Keimrückhalt oder als Vorstufe für Ozonung bzw. GAK
Damit sind die derzeit zentralen, fachlich etablierten Verfahren zur gezielten Spurenstoff-Elimination an einem Standort verfügbar. Die modulare Bauweise ermöglicht darüber hinaus die Erprobung innovativer Kombinationen sowie Untersuchungen zu zusätzlichem Rückhalt von (multiresistenten) Keimen und/oder Mikroplastikpartikeln.
Im angegliederten Labor können gängige abwassertechnische Standardparameter bestimmt werden. Aktuell werden zudem standardisierte Batch-Verfahren zur Bewertung der Eignung von Ozonung und Aktivkohlebehandlung für spezifische Abwässer etabliert. Parallel wird in Kooperation mit dem Centrum Industrielle Biotechnologie (CIB) der TH Lübeck eine Spurenstoff-Analytik mittels LC-MS/MS aufgebaut.
Ziele der Versuchs- und Ausbildungskläranlage Reinfeld
- Durchführung von Forschungs- und Entwicklungsvorhaben zur Weiterentwicklung der Abwasserbehandlung
- Ausbildung von Studierenden (Bachelor und Master)
- Aus- und Weiterbildung von Ingenieurinnen und Ingenieuren sowie Fachpersonal aus Ver- und Entsorgung
- Öffentlichkeitsarbeit in der Siedlungswasserwirtschaft und im Gewässerschutz
Studierende werden an der VAK in die Grundlagen der Abwasserbehandlung eingeführt und lernen die technischen Elemente einer Kläranlage in Funktion und Wirkungsweise kennen – ergänzt durch Besichtigungen und praktische Übungen vor Ort. Im Rahmen von Bachelor- und Masterarbeiten, Projektarbeiten, Praktika und Lehrveranstaltungen erfolgt eine praxisnahe, wissenschaftlich fundierte Ausbildung. Viele Arbeiten sind in laufende Forschungs- und Entwicklungsprojekte eingebunden; zudem unterstützen Studierende diese Vorhaben häufig als studentische Hilfskräfte.





