Hochschulen nehmen gesellschaftliche und soziale Verantwortung in der Region wahr

Ambulantes Palliativzentrum – Lübecker Beispiel für innovativen Transfer zwischen Wissenschaft und Gesellschaft

Studie zur VR-unterstützte Planungsmethode. Foto: TH Lübeck

Studie zur VR-unterstützte Planungsmethode. Foto: TH Lübeck

Am 19. April 2021 führte die Hochschulallianz für den Mittelstand (HAfM) die 5. Berliner Transferkonferenz als Hybridveranstaltung aus der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin durch. Die HAfM ist ein bundesweiter Verbund anwendungsorientierter Hochschulen, unter ihnen auch die Technische Hochschule (TH) Lübeck.

Rund 200 registrierte Teilnehmerinnen und Teilnehmer folgten den Diskussionen im Livestream zu den Themen Gesundheit und Soziales, regionale Innovationszentren sowie Transfer und soziale Innovationen.
„Hochschulen für angewandte Wissenschaften besetzten neben den Schwerpunkten in Technik und Wirtschaft auch wichtige Themen im Bereich Gesundheit und Soziales. Dazu werden der Transfer und die sozialen Innovationen bereits jetzt gemeinsam mit dem Mittelstand entwickelt. Aber es gibt auch noch große ungenutzte Potenziale“, lautet das Fazit der 5. Berliner Transferkonferenz der Hochschulallianz für den Mittelstand (HAfM). 

„Seit über 50 Jahren sind Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) unglaublich wichtig. Sie bilden zukünftige Fach- und Führungskräfte, stärken die Regionen in den Bereichen Technik und Wirtschaft, haben Angebote in den Bereichen Gesundheit und Soziales und nehmen gesellschaftliche und soziale Verantwortung in den Regionen wahr“, eröffnete der Vorsitzende der Hochschulallianz für den Mittelstand Prof. Dr.-Ing. Peter Ritzenhoff die Transferkonferenz.
Zwischen den Hauptsessions mit Vertreterinnen und Vertretern aus Wissenschaft, Mittelstand und Politik gab es in virtuellen Räumen genügend Zeit zur Vernetzung und für Gespräche mit Verantwortlichen von zwölf Transferprojekten auf dem Gebiet Gesundheit und Soziales, in denen Mitgliedshochschulen der HAfM engagiert sind. 

Im Programmpunkt „Transfer und Soziale Innovationen“, moderiert von Dr. Muriel Helbig, Präsidentin der Technischen Hochschule Lübeck und HAfM-Vorstand, war auch Professor Stephan Wehrig, Dekan des Fachbereichs Bauwesen der TH Lübeck eingeladen. Wehrig vertritt im Baubereich die Architektur für das Gesundheitswesen an der TH Lübeck. Unter dem Leitbild Architektur für den Menschen konzipierten Wehrig und seine Partner ein Ambulantes Palliativzentrum und stellten darin eine neue „VR-unterstützte“ Planungsmethode vor. Diese erfasst die Wechselwirkung von Farbe und Emotionen in einem räumlichen und auf die Bedürfnisse von Patientinnen und Patienten in Gesundheitsbauten. Sie erläuterten das Projekt als ein Beispiel für innovativen Transfer zwischen Wissenschaft und Gesellschaft. 

Über das Zustandekommen regionaler Verbundprojekte mit gesellschaftlicher oder sozialer Relevanz zwischen Wissenschaft und entsprechenden Einrichtungen äußerten Professor Wehrig und der Geschäftsführer der Stiftung Travebogen Thomas Schell: „Innovativer Transfer beruht häufig auf zufällig entstandenen Verbindungen zwischen den Projektpartnern.“ Die Zusammenarbeit zwischen dem Masterstudiengang Architektur der TH Lübeck erfolgte auf Grundlage einer Auslobung eines Architektenwettbewerbes und einer Förder-u. Spendeninitiative der Palliativnetz Travebogen gGmbH. Die Masterstudierenden unterstützten den weiteren Planungsprozess.

Zu Tagungsbeginn betonten der Wissenschafts- und Wirtschaftsminister Prof. Dr. Armin Willingmann und der IHK-Präsident Klaus Olbricht in ihren Eingangsstatements, dass gerade in einem Land wie Sachsen-Anhalt, dessen Wirtschaft praktisch vollständig vom Mittelstand geprägt sei, Netzwerke zentral seien. Seitens des BMBF werden diese Strukturen entsprechend den Ausführungen des Abteilungsleiters für das Hochschul- und Wissenschaftssystem Ulrich Schüller, durch praxisnahe Qualifizierungen des wissenschaftlichen Hochschulpersonals, durch Verbundforschungsprogramme zwischen Wirtschaft und Wissenschaft sowie durch Stärkung der Forschungsorientierung von HAWs gefördert.

Hochschulen für angewandte Wissenschaften und mittelständische Unternehmen sind aber nicht nur Treiber für die Regionalentwicklung im Bereich der technologischen und wirtschaftlichen Innovationen, sondern auch in Bezug auf die gesellschaftliche und soziale Verantwortung in den Regionen. „Der Gesundheitsbereich ist mittlerweile ein Jobmotor in den Regionen“, so Prof. Uta Gaidys, Mitglied des Wissenschaftsrats und Professorin für Pflegewissenschaften an der HAW Hamburg. Jedoch hinke die Akademisierung der Gesundheits- und Pflegeberufe den Bedarfen in den Regionen deutlich hinterher. Kooperationen zwischen der Hochschule Magdeburg-Stendal und der AOK Sachsen-Anhalt zeigten, dass über gemeinsame Projekte, wie die Entwicklung einer adressaten- und gesundheits-gerechte Kommunikation, der Wohlfühlfaktor für die junge Menschen in einer auch ländlich geprägten Region zu bleiben deutlich steigt. Die von Prof. Dr. Susanne Borkowski, Profes-sorin für kindliche Entwicklung und Gesundheit an der Hochschule Magdeburg-Stendal, und Ralf Dralle, Vorstand AOK Sachsen-Anhalt, vorgestellten Projekte verstärken damit deutlich den Haltefaktor in der Region.

Für Prof. Dr. Andreas Pinkwart ist es ein besonderes Vergnügen, die von ihm vor gut zehn Jahren als Wissenschaftsminister in NRW gegründeten Hochschulen nun als Wirtschaftsminister mit voller Überzeugung zu regionalen Innovationszentren weiterzuentwickeln. 

Der Vorsitzende der Mainzer Wissenschaftsallianz und Fraunhofer-Institutsleiter Prof. Michael Maskos stellte die zentrale Bedeutung regionaler Verbünde zwischen Wissenschaft und Gesellschaft für die Regionalentwicklung heraus. Die verschiedenen Transferschienen können so gemeinsam abgestimmt und für alle gewinnbringend weiterentwickelt werden. 

Wie dabei auch der Mittelstand profitiert, hat der Unternehmer Matthias Memmesheimer über Projekte mit der Hochschule Mainz zu dualen Studienangeboten, zu gemeinsam etablierten Promotionsvorhaben wie auch zu einer Kooperationsprofessur erläutert. 

Allerdings gab Dr. Volker Meyer-Guckel, stellvertretender Generalsekretär des Stifterverbands zu bedenken, dass es verlässliche personelle Infrastrukturen brauche, um bislang ungenutzte Potenziale durch den wechselseitigen Austausch und durch verstärkte Transferaktivitäten zu heben. 

In der politischen Diskussion stellte Dr. Thomas Sattelberger, MdB und seit Jahrzehnten für eine deutliche Stärkung der Transferförderung im Einsatz, die hohe Komplexität des Innovationsbegriffes dar. Er forderte eine systemische Betrachtung und eine eng verzahnte Transferförderung durch eine Deutsche Transfergemeinschaft (DTG). „Wir brauchen alle Ideen für technologische und soziale Innovationen und müssen den Akteuren Möglichkeiten zum Ausprobieren bieten“, erläutert Dr. Anna Christmann, MdB. In ihrem Konzept D.Innova sind daher Innovationsmanager vorgesehen, die proaktiv Projekte zusammenbringen. 

„Wir stellen erfreut fest, dass es bereits jetzt vielfältige Transferleistungen der HAWen für Wirtschaft und Gesellschaft gibt – es aber auch noch große Potenziale zu heben gibt, die einer konzertierten und strukturierten Förderung sowie verlässlicher Infrastrukturen bedarf“, so der Hochschulallianz-Vorsitzende Peter Ritzenhoff. „Dazu gehören zudem ganz wesentlich die Etablierung von eigenem, wissenschaftlich zu qualifizierendem Nachwuchs sowie eine Anpassung der Lehrverpflichtung von forschungs- und transferorientierten Professuren. Wie diese Förderungsstrukturen im Detail aussehen sollten, müssen weitere Entwicklungen zeigen. Die Erwartung ist groß, dass in der nächsten Legislaturperiode wesentliche Schritte in diese Richtung getan werden.“ 

Einen Überblick über das Programm und die Transferprojekte der Mitgliedshochschulen in den Rubriken Gesundheit, Soziales, Regionale Innovationen sowie Regionale Mobilität und Versorgung findet sich unter: 
http://www.hochschulallianz.de/veranstaltungen/19042021-5-transferkonferenz/transferprojekte-im-ueberlick.html

Die Aufzeichnungen der Sessions werden in Kürze ebenfalls über die Website der Hochschulallianz für den Mittelstand e.V. verfügbar sein.

Pressekontakt:
Hochschulallianz für den Mittelstand e.V.
Pressesprecherin Dr. Cornelia Driesen
Email: presse(at)hochschulallianz.de
Telefon 0157 - 37865035

Die Hochschulallianz für den Mittelstand ist ein bundesweiter Verbund anwendungsorientierter Hochschulen. Die Mitgliedshochschulen fühlen sich den kleinen und mittelständischen Unternehmen ihrer Region als Rückgrat der deutschen Wirtschaft verpflichtet. Sie verfügen über langjährige gewachsene Forschungskooperationen mit regionalen Unternehmen und bilden durch ein arbeitsmarktbezogenes und anwendungsnahes wissenschaftliches Studium deren künftige Fach- und Führungskräfte aus. Die Hochschulen sind Impulsgeber für das Innovationsgeschehen im Mittelstand und tragen so zur Sicherung von Fortschritt und Wohlstand bei. An den aktuell zwölf Mitgliedshochschulen der Allianz studieren mehr als 100.000 Studierende in ca. 520 Studiengängen.