Schon vor der offiziellen Eröffnung herrscht im Foyer des Audimax eine ausgelassene Stimmung. Zahlreiche Gespräche surren durch den Raum, und hier und da wird zusammen gelacht, diskutiert oder sogar eine Betreuung für die anstehende Doktorarbeit gefunden. Erste Kontakte werden geknüpft und Erfahrungen ausgetauscht. Viele der anwesenden DAAD-Stipendiat*innen absolvieren aktuell ein Masterstudium oder promovieren an Hochschulen in ganz Deutschland.
Der DAAD ist der Deutsche Akademische Austauschdienst und ist die weltweit größte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftler*innen. Ein zentrales Ziel ist es, den akademischen Austausch zu fördern, indem der DAAD Stipendien für Auslandsaufenthalte vergibt – sowohl für deutsche Studierende, die ins Ausland gehen, als auch für ausländische Studierende, die nach Deutschland kommen wollen.
Studierende als Mutmacher von morgen
Die erste Begrüßung der Teilnehmenden übernahm Theresa Holz, Leiterin des Bereichs Stipendienprogramme Nord des DAAD. Sie weiß genau, was für ein Gefühl es ist, als Teilnehmer*in bei dieser Veranstaltung dabei zu sein, denn vor 25 Jahren war sie selbst DAAD-Stipendiatin.
Dr. Muriel Helbig, Präsidentin der TH Lübeck und Vizepräsidentin des DAAD, begrüßte die Stipendiat*innen in ihrer Doppelfunktion. Für sie sei es quasi wie die Verbindung ihrer zwei Welten, die im Audimax des Campus nun zusammenkommen. Dieses Treffen sei immer ein besonderer Höhepunkt des Jahres, denn die Teilnehmenden würden sichtbar machen, was internationaler Austausch bewirken könne: Ihre Ideen und Ihre akademischen Leistungen bringen die Welt ein Stück voran
, sagte sie und gab den Studierenden noch einen sehr norddeutschen Begriff mit auf den Weg: Sie sind für uns die Mutmacher.
Gerade in einer Zeit, in der viele Herkunftsländer von Krisen, Konflikten oder politischen Spannungen geprägt sind, bekommt das Treffen ein besonderes Gewicht. Wissenschaftlicher Austausch schafft nicht automatisch einfache Antworten. Aber er eröffnet Räume, in denen Menschen miteinander sprechen, forschen, lernen und einander begegnen können.
Unerwartete Welten: wie bei einem Auslandsaufenthalt
Neben der besonderen Gewichtung dieses Treffens soll an diesem Wochenende allerdings auch die Leichtigkeit Einzug erhalten. Ein Blick in die traditionsreiche Hansestadt Lübeck dürfe dabei nicht fehlen. Denn nicht nur der wissenschaftliche Austausch öffnet neue Räume: Zwischen den engen Häusern können Sie noch engere Gänge erkennen, es sind knapp 100. Gehen Sie da ruhig hinein! Sie sind meist öffentlich zugänglich, und in einigen öffnen sich wirklich völlig neue, unerwartete Welten
, gibt Helbig den Studierenden mit auf den Weg. Neue unerwartete Welten. Wie bei einem Auslandsaufenthalt.
Technologie, die bleibt und die Welt verändert
Neue Welten bringen häufig auch neue Erkenntnisse, Technologien und Impulse mit sich. Genau diesem Thema widmete sich Prof. Dr. Monique Janneck und bereitete mit ihrer Keynote Changing the World, One Bit at a Time den fachlichen Auftakt. Sie stellte sich der Frage, wie Technologie unseren Alltag verändert und welche Verantwortung damit verbunden ist.
Und machte damit deutlich, dass Technologien nicht einfach wieder verschwinden, sobald sie Teil der gesellschaftlichen Realität geworden sind. Deshalb gehe es bei technischer Entwicklung nicht nur darum, was möglich ist, sondern auch darum, welche Folgen neue Systeme für Menschen, Werte und Zusammenleben haben.
Gute Gestaltung bedeutet mehr als neue Funktionen. Sie muss fragen, was Menschen brauchen, welche Werte ihnen wichtig sind und welche langfristigen Wirkungen technische Systeme entfalten. Janneck verwies dabei unter anderem auf nutzerzentrierte und werteorientierte Designansätze, die Aspekte wie Privatheit, Autonomie und Wohlbefinden in Entwicklungsprozesse einbeziehen.
KI im Spannungsfeld zwischen Nutzen und Kompetenzverlust
Auch Künstliche Intelligenz ordnete sie differenziert ein: KI könne Sprachbarrieren abbauen, Arbeitsprozesse erleichtern und neue Handlungsmöglichkeiten eröffnen. Gleichzeitig stellten sich Fragen nach Energie- und Wasserverbrauch, nach Abhängigkeiten und nach Kompetenzen, die verloren gehen könnten, wenn Menschen bestimmte Aufgaben dauerhaft an Systeme abgeben.
Ihr zentraler Gedanke: Technologie wird nicht nur von Entwickler*innen geprägt. Sie wird auch dadurch gestaltet, wie Menschen sie nutzen: We all change the world one bit at a time.
Für die TH Lübeck war das Treffen ein besonderer Moment auf dem Campus. Als Gastgeberin konnte sie internationale Wissenschaft, den DAAD und die Stadt Lübeck zusammenbringen. Oder, um im Bild der Lübecker Gänge zu bleiben: Sie konnte einen Raum öffnen, in dem sich für viele Teilnehmende unerwartete Welten entdecken ließen.











