Logische Strukturen aus Leidenschaft – ein Weg in den Studiengang Biomedizintechnik

Struktur und Logik – zwei Aspekte, die Anne Herrmann schon seit jungen Jahren prägen. Die Studentin findet ihren Weg an die TH Lübeck erst ein wenig später im Leben – ein Beispiel dafür, dass Bildungswege keiner geraden Linie folgen müssen. Denn ohne die Erfahrung aus ihrem Berufsleben hätte sie vielleicht nie ihre Begeisterung für Normen und Regeln entdeckt. Ihr Ziel: der Abschluss im Bachelorstudiengang Biomedizintechnik mit der Vertiefungsrichtung Qualitätsmanagement / Qualitäts- und Sicherheitstechnik.

Eine Frau lehnt an einem Baum vor einem TH-Gebäude.

Anne Herrmann ist Studentin der Biomedizintechnik mit der Vertiefungsrichtung Qualitätsmanagement / Qualitäts- und Sicherheitstechnik und ist erst während ihrer beruflichen Karriere in das Studium gestartet.

Schon während ihrer Schulzeit zeigt sich, wo Anne Herrmanns Interessen liegen: weniger bei Sprachen, mehr bei Logik und Naturwissenschaften. Ich war immer schon eher naturwissenschaftlich interessiert, viel Biologie und Chemie, sagt sie rückblickend. Ich mag dieses Strukturierte und Logische, das liegt mir mehr als irgendwelche französischen Grammatikregeln, die ständig Ausnahmen haben, ergänzt sie schmunzelnd. 

In der Oberstufe ist es dann eine Lehrerin, die ihr einen neuen Weg eröffnet. Sie erfährt mehr über die schulische Ausbildung zur biologisch-technischen Assistentin und wird die Idee bis zu ihrem Abschluss nicht mehr los. Anne Herrmann verlässt das Gymnasium mit einer Fachhochschulreife und beginnt ihre Ausbildung.

Eine Faszination für Biologie

Als dann allerdings der Negativbescheid des Meister-BAföG (heute Aufstiegs-BAföG) vor ihr liegt, schwindet der Traum. Ohne die Unterstützung sind eine schulische Ausbildung und das Leben in Köln nicht zu stemmen. Doch sie reagiert pragmatisch: Ich bin dann tatsächlich erst einmal ein paar Jahre arbeiten gegangen, um Geld zu sparen, sagt sie – hauptsächlich in der Gastronomie.

Aber die Faszination für Biologie lässt sie nie ganz los. Mit Mitte 20 kann sie sich ihren Wunsch dann endlich erfüllen und startet in die zweijährige Ausbildung. Sie findet genau das, was sie gesucht hat: praktische Laborarbeit, analytische Chemie, Zellkultur und Mikrobiologie. Das hat mir super viel Spaß gemacht, erinnert sie sich.

Für den Job geht es in den Norden nach Lübeck

Eine interessante Stelle an der Universität zu Lübeck führt sie dann in den Norden an die Ostseeküste. Sie arbeitet einige Jahre am Institut für Systemische Entzündungsforschung, unterstützt wissenschaftliche Projekte und ist an Laborprozessen von Zellkulturen bis zur Genotypisierung von Mauslinien beteiligt.

Später baut sie hauptverantwortlich über drei Jahre das reproduktionsbiologische Labor der Universität Lübeck auf. Teil der Laborarbeit ist unter anderem die Kryokonservierung und Revitalisierung von Eizellen und Spermien von Mäusen. In diesem Zusammenhang entsteht zum ersten Mal die Überlegung, ob ein Studium vielleicht der richtige Weg wäre. Denn es gibt den zum Job passenden Masterstudiengang Laboratory Animal Science – allerdings fehlt der Bachelor. Sie entscheidet sich für Biomedizintechnik an der TH Lübeck.

Jobwechsel trotz Vollzeitstudium an der TH Lübeck

Das Studium beginnt, das Labor ist aufgebaut, und Anne Herrmann merkt: Ich möchte etwas anderes. Sie wechselt an das Institut für Psychologie: Sie suchten eine Person, die eine Studien- und Probandendatenbank aufbaut, sagt sie. Bereits zum Zeitpunkt ihrer Ausbildung findet sie das Thema Datenbanken sehr spannend, da es dazu beiträgt, Wissen zu teilen und geordnet sowie mit System zur Verfügung zu stellen. 2014 hat sie mit ihrem Studium begonnen, arbeitet in Vollzeit und studiert in Präsenz – bis sie 2019 an ihre Grenzen kommt.

Neben ihrer Arbeit im Forschungsmanagement und dem Studium ist sie zusätzlich auch Sicherheitsbeauftragte. Das Thema Arbeitssicherheit fängt an, sie zu interessieren. Was wäre also mit der Richtung Fachkraft für Arbeitssicherheit? Eine Richtung, die sie mit dem Abschluss in Biomedizintechnik mit der Vertiefungsrichtung Qualitätsmanagement / Qualitäts- und Sicherheitstechnik einschlagen könnte.

Wiederaufnahme des Studiums an der TH Lübeck

Ich habe hin und her überlegt. Es wäre schade gewesen, nicht weiterzumachen, denn die Hälfte hatte ich ja schon, erzählt sie von ihren Abwägungen. Zum Sommersemester 2025 steht dann fest: Anne Herrmann geht zurück an die TH Lübeck. Meine Arbeitsstunden konnte ich aber zum Glück auf 50 Prozent reduzieren, sagt sie. So lasse sich ein Job mit einem Präsenzstudium besser vereinbaren.

Mittlerweile hat sich ihr Berufswunsch noch ein wenig gewandelt. Das Qualitätsmanagement und das Audit haben es ihr angetan. Ich bin, glaube ich, schon eine der wenigen, die Bürokratie toll finden, sagt sie. Es sei wichtig, eine gemeinsame Sprache zu finden; da brauche es dann quasi eine Übersetzerin, die im Qualitätsmanagement sitzt und die Normen so beschreibt, dass sich am Ende alle darüber unterhalten können. Das sind dann auch keine starren Konstrukte. Die Standards und Normen, die man setzt, müssen regelmäßig hinterfragt und angepasst werden, sagt sie.

An der TH Lübeck kreuzen sich diverse Lebenswege

Im kommenden Jahr möchte sie ihren Abschluss machen. Zweifel hatte Anne Herrmann eigentlich nie, erinnert sie sich. Als Spätstudentin müsse man zwar an der einen oder anderen Stelle Schulwissen noch einmal nachholen, weil es nicht mehr so abrufbar ist; da gab es an der Hochschule aber unterstützende Kurse.

Anne Herrmanns Weg zeigt: Es gibt nicht den einen richtigen Bildungsweg. Manchmal führen Umwege genau dorthin, wo die eigenen Stärken liegen – man muss den Pfaden nur folgen.