MINT-Schulen und die TH Lübeck: Es geht darum, Talente sichtbar zu machen

Wie entdeckt man die Stärken von Kindern und Jugendlichen? Und wie schafft man Lernorte, an denen Neugier, Kreativität und Problemlösung wichtiger sind als perfekte Noten? Mit diesen Fragen beschäftigen sich die MINT-Schulen Schleswig-Holsteins. Anfang Juni kamen Vertreter*innen des Netzwerks an der Technischen Hochschule Lübeck zusammen, um Erfahrungen auszutauschen, voneinander zu lernen und neue Impulse für die MINT-Bildung zu entwickeln.

Zuhörer im Hörsaal klatschen und unterhalten sich.

Für die Akkreditierungsfeier fanden sich die Gäste in einem Hörsaal der TH Lübeck ein. Foto: Lutz Roeßler/TH Lübeck.

Ausschnitt eines Hörsaals. Im Vordergrund sitzen vier Personen nebeneinander und klatschen.

Janina Mahncke (TH Lübeck), Katharina Papke (Technische Akademie Nord), Maren Riepe (Nordmetall-Stiftung) und Gerhard Kirschstein (Bildungsministerium Schleswig-Holstein). Foto: Lutz Roeßler/TH Lübeck.

Eine große Gruppe von Menschen lächelt in die Kamera.

Die Theodor-Storm-Dörfergemeinschaftsschule erhielt erstmalig die Akkreditierung als MINT-Schule. Foto: Lutz Roeßler/TH Lübeck.

Mehrere Personen halten eine Urkunde in der Hand und lächeln.

Die Anne-Frank-Gemeinschaftsschule Elmshorn wurde erneut als MINT-Schule ausgezeichnet. Foto: Lutz Roeßler/TH Lübeck.

Eine Moderatorin spricht ins Mikrofon.

Moderiert wurde die Auszeichnungsfeier von Gina Maria Kock (Radio Schleswig-Holstein). Foto: Lutz Roeßler/TH Lübeck.

Ein Flur ist gefüllt mit Personen, die sich unterhalten.

Nach der Auszeichnungsfeier hatten die Teilnehmenden die Gelegenheit, sich auszutauschen. Foto: Lutz Roeßler/TH Lübeck.

Die TH Lübeck war dabei nicht nur Gastgeberin des Netzwerktreffens, sondern auch eine engagierte Partnerin im MINT-Bereich. Seit vielen Jahren unterstützt sie MINT-Schulen und setzt sich mit dem JuniorCampus aktiv für die Förderung von Kindern und Jugendlichen in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik ein. Mit dabei war auch Janina Mahncke vom JuniorCampus, die als Mitglied der Akkreditierungsjury Schulen auf ihrem Weg zur Auszeichnung als MINT-Schule begleitet und berät. 

Diese Schulen schaffen es, Kinder und Jugendliche dort abzuholen, wo ihre Stärken liegen, sagt Mahncke. „Sie sehen Potenziale, die im klassischen Unterricht manchmal verborgen bleiben.“

Mehr als Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik

MINT-Schulen stehen für innovative Bildungskonzepte in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Derzeit tragen zehn Gemeinschaftsschulen das Siegel „MINT-Schule Schleswig-Holstein“. Beim Netzwerktreffen an der TH Lübeck wurde eine Schule neu akkreditiert, zudem erhielt eine bestehende MINT-Schule ihre Rezertifizierung.

Die Auszeichnung wird für vier Jahre vergeben. Voraussetzung ist ein umfangreiches Bewerbungsverfahren, bei dem Schulen nachweisen müssen, dass MINT-Bildung fest in ihrem Schulalltag verankert ist. Dabei geht es nicht allein um zusätzliche Technikangebote oder moderne Ausstattung. Entscheidend ist, wie Schulen naturwissenschaftliches und technisches Lernen mit Kreativität, Teamarbeit und Lebensweltbezug nachhaltig verbinden.

Auch an der TH Lübeck: MINT bedeutet mehr als nur Formeln und Experimente 

Genau darin liegt für die MINT-Jury eine besondere Stärke des Netzwerks: MINT bedeutet viel mehr als Formeln oder Experimente. Die Schülerinnen und Schüler lernen, Probleme zu lösen, gemeinsam zu arbeiten und eigene Ideen umzusetzen. Sie erleben, dass sie etwas können und etwas bewirken.

Zu den Teilnehmenden der neu akkreditierten Schule gehörte auch eine Schülerin, die sich seit einigen Jahren mit großer Begeisterung im Bereich der Imkerei engagiert. Sie selbst kam auf die Idee, hat nach einem Imker gesucht und bildet als Jungimkerin mittlerweile selbst andere Kinder aus. Ihr Mitschüler, der ebenfalls an diesem Tag anwesend war, macht keinen Hehl daraus, dass das klassische Schulsystem nicht unbedingt seine liebste Form ist. Das was er aber kann ist handwerklich tätig sein. Er baut aktuell an einem Bienenhaus, kann die Statik berechnen und probiert sich mit Materialien aus.

Schulen, die neue Wege gehen

Viele der ausgezeichneten Schulen entwickeln dafür ungewöhnliche Konzepte. Sie verbinden naturwissenschaftliche Projekte mit Sprachförderung, Berufsorientierung oder handwerklichem Arbeiten. Schüler*innen forschen, bauen, programmieren und entwickeln eigene Lösungen für reale Fragestellungen.

Beeindruckend ist vor allem, mit welcher Kreativität die Schulen auf bestehende Herausforderungen reagieren und dabei konsequent nach Wegen suchen, ihre Schüler*innen zu fördern und mitzunehmen.

Gerade für Jugendliche, die sich im klassischen Unterricht schwertun, können solche Angebote entscheidende Erfolgserlebnisse schaffen. Wenn ein selbst programmiertes Robotik-Projekt funktioniert oder ein technisches Problem gelöst wird, entsteht Selbstvertrauen – und manchmal auch eine völlig neue Perspektive auf die eigene Zukunft.

Die TH Lübeck als Partnerin der MINT-Bildung

Beim Netzwerktreffen stellte die TH Lübeck den Lehrkräften eine Auswahl ihrer vielfältigen Angebote zur Nachwuchsförderung vor. Neben Workshops und Austauschformaten erhielten die Teilnehmenden Einblicke in verschiedene Hochschullabore, darunter das Robotik- und das Hochspannungslabor.

Ziel war es, neue Ideen für den Unterricht zu vermitteln und Möglichkeiten der Zusammenarbeit aufzuzeigen. Dabei spielen auch digitale Formate eine immer größere Rolle. Über den JuniorCampus begleitet die TH Lübeck Schulen inzwischen weit über die Region hinaus – etwa durch Online-Experimente, digitale Workshops oder hybride Unterrichtsangebote.

Wir möchten Schulen unterstützen, unabhängig davon, wo sie in Schleswig-Holstein liegen, erklärt Mahncke. Nicht jede Schule kann regelmäßig an die Hochschule kommen. Deshalb entwickeln wir Formate, mit denen wir auch direkt in die Klassenzimmer kommen können.

Gemeinsam Zukunft gestalten

Für die TH Lübeck ist dieses Engagement Teil ihres Selbstverständnisses: junge Menschen frühzeitig für Wissenschaft, Technik und Innovation zu begeistern und Bildungswege sichtbar zu machen. Dabei geht es nicht nur um ein späteres Studium, sondern darum, Talente zu entdecken und Perspektiven zu eröffnen.

Oder, um es mit Janina Mahncke zu sagen: Jedes Kind verfügt über individuelle Potenziale. Die Herausforderung besteht darin, diese zu erkennen und ihnen den nötigen Raum zur Entfaltung zu geben.

Genau dafür stehen die MINT-Schulen Schleswig-Holsteins – und genau dabei unterstützt die TH Lübeck sie als starke Partnerin.

Was sind MINT-Schulen?

Die Auszeichnung „MINT-Schule Schleswig-Holstein“ würdigt Gemeinschaftsschulen, die sich in besonderer Weise für die Förderung von Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) engagieren.

Um das Siegel zu erhalten, müssen Schulen in einem umfangreichen Bewerbungsverfahren nachweisen, dass MINT-Bildung fest in ihrem Schulprofil verankert ist. Bewertet werden unter anderem:

  • innovative Unterrichts- und Projektangebote im MINT-Bereich
  • fächerübergreifendes Lernen
  • Kooperationen mit Hochschulen, Unternehmen und außerschulischen Partnern
  • Berufs- und Studienorientierung
  • nachhaltige Schulentwicklungsprozesse 

Die Auszeichnung wird für vier Jahre vergeben. Anschließend können sich die Schulen rezertifizieren lassen.

Aktuell gehören zehn Gemeinschaftsschulen in Schleswig-Holstein zum Netzwerk der MINT-Schulen. Die Schulen treffen sich zweimal jährlich zum Austausch über erfolgreiche Konzepte, neue Entwicklungen und gemeinsame Projekte.