Trotz 30 Grad herrschte auf den Wiesen und in den Festzelten reges Treiben. Von Kleinkindern bis zu den Großeltern – alle Generationen tüftelten, probierten aus und wurden kreativ. Mehrere Dutzend Stationen, aufgebaut von Partner*innen aus Wissenschaft, Wirtschaft und Bildung, machten MINT-Themen unmittelbar erlebbar.
Wissenschaft zum Anfassen
Im Labor für Umweltverfahrenstechnik pusteten Kinder in Röhrchen mit Silikagel, einem Trockenmittel, und beobachteten fasziniert, wie die Farbe verblasste. Claas Heymann, Professor für Umwelttechnik und -kybernetik an der TH Lübeck, erklärte den Zusammenhang mit der Feuchtigkeit im Atem. Auf die Frage, ob sie noch mehr hören oder lieber selbst etwas machen wollten, kam die Antwort prompt und einstimmig: Machen!
Auch im Lübecker Offenen Labor stand das praktische Ausprobieren im Vordergrund. Nach dem Isolieren von Bananen-DNA ließ sich ein kleiner Junge nicht mehr bremsen. Er wollte nun seine eigene Mundschleimhaut unter dem Mikroskop untersuchen. Am meisten macht ihm das Rumpütschern mit der Pipette Spaß
, so eine Mitarbeiterin.
Und dann war da noch Minecraft: Was nach Zocken aussah, war in Wirklichkeit eine Einführung in Elektrotechnik mit Kabeln, Lampen und Schaltern. An einer Station der MaTZ-Initiative der Universität zu Lübeck lernten die Kinder nebenbei die Funktionsweise von sogenannten Logikgattern kennen, einem Grundbaustein digitaler Schaltungen: Wann leuchtet eine Lampe auf? Nur dann, wenn beide Schalter gleichzeitig gedrückt sind – oder reicht schon einer?
Die Leitfrage Warum
Überall zog sich eine Frage durch die Angebote: Warum? Warum sind die Algen da schwarz?
Ein Mädchen im Grundschulalter rückte näher an den Bildschirm, auf den das Mikroskop projizierte. Warum hast du das da an?
, wollte ein Junge im Kindergarten-Alter wissen und zeigte auf den Laborkittel eines Mitarbeiters. Draußen verschränkte ein Mädchen skeptisch die Arme: Warum bewegt der sich so komisch?
Sie meinte einen Roboterhund, der sich nach vorn beugte und dann über den Steinboden trippelte.
Festakt im Audimax – mit einer Überraschung
Den Auftakt des MINT-Familienfests bildete ein feierlicher Festakt im Audimax. Nach einem Rückblick in Bildern und Musik wurde Prof. Jürgen Tchorz, Leiter des JuniorCampus, überraschend auf die Bühne gebeten: Dr. Muriel Helbig, Präsidentin der TH Lübeck, überreichte ihm stellvertretend für das gesamte JuniorCampus-Team die Ehrenbürgerwürde der TH Lübeck. Die Ehrung gilt als die höchste Auszeichnung, die von der Hochschule vergeben wird. Auch die anwesenden Teammitglieder wurden auf die Bühne gebeten, denn die Erfolgsgeschichte des JuniorCampus ist das Ergebnis einer gemeinsamen Leistung, zu der jedes Teammitglied auf seine Weise beigetragen hat und die ohne dieses Engagement nicht denkbar wäre.
Über die Anfänge des JuniorCampus sagte Prof. Tchorz: Die Geburt war nicht geplant – es ist einfach passiert, weil die Bedingungen gestimmt haben.
Dr. Helbig ergänzte: Und doch ist der JuniorCampus ein absolutes Wunschkind.
Dass das auch in der Schulpraxis so ankommt, bestätigten Lehrerinnen der Baltic Schule Lübeck und der Heinrich-Mann-Schule Lübeck. Ihrer Erfahrung nach kennen Kinder heute vieles schon aus sozialen Medien – aber wenn sie selbst ausprobieren dürfen, kommt die Begeisterung trotzdem.
Wenn aus Physik Musik wird
Da es beim JuniorCampus nun mal darum geht, Wissenschaft zum Anfassen zu präsentieren, durften auch die geladenen Gäste im Audimax gleich etwas ausprobieren. Musik aus Physik: An jedem Platz lagen Röhrchen unterschiedlicher Länge, die beim Abdecken mit einer Hand verschiedene Töne erzeugen. Tchorz zeigte von der Bühne aus die Abfolge der Farben, gab den Takt vor – und plötzlich spielte das gesamte Audimax gemeinsam Der Kuckuck und der Esel.
20 Jahre und noch lange nicht fertig
Seit seiner Gründung im Jahr 2006 begeistert der JuniorCampus Kinder und Jugendliche für Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik. Seitdem ist er deutlich gewachsen und erreicht nun bis zu 14.000 Schüler*innen jährlich. Dabei kommen sie nicht nur auf den JuniorCampus, er kommt auch zu ihnen an die Schulen oder unterstützt Lehrkräfte virtuell bei ihren Experimenten. Die Beteiligten stammen aus unterschiedlichen Bereichen, verfolgen aber alle dasselbe Ziel: die Bildungschancen junger Menschen zu verbessern und Berührungsängste gegenüber MINT abzubauen.




















