Sowohl in der Stadtentwicklung als auch in der Wasserforschung verfügen wir an der TH Lübeck über Kompetenzen, die in dieser Form selten an einem Standort zusammenkommen. Die neuen Kompetenzzentren machen diese Expertise sichtbarer und stärken deren Vernetzungspotentiale in Forschung und Transfer
, sagt Vizepräsidentin für Forschung und Internationales, Karen Cabos.
Kompetenzzentrum Stadt: Nachhaltige Entwicklung von Städten und Regionen
Das Kompetenzzentrum Stadt geht aus der seit 2019 bestehenden Fachgruppe Stadt hervor. Zum Team gehören Professorinnen Kendra Busche und Lydia Rintz sowie die Professoren Marcus Menzl und Frank Schwartze. Gemeinsam beschäftigen sie sich mit aktuellen Herausforderungen der Stadt- und Regionalentwicklung und arbeiten eng mit Kommunen, Landesinstitutionen und weiteren Praxispartner*innen zusammen.
Im Mittelpunkt stehen Fragen einer nachhaltigen und klimagerechten Stadtentwicklung. Dazu zählen beispielsweise die Integration von blau-grüner Infrastruktur – also die Vernetzung von Wasser- (blau) und Grünflächen – in Städten, die Transformation bestehender Wohnungsbestände hin zur Klimaneutralität sowie die Entwicklung ländlicher Räume und kleiner Städte. Auch Themen wie Leerstand, demografischer Wandel und die Weiterentwicklung von Bauplanungsprozessen spielen eine wichtige Rolle.
TH Lübeck: Kompetenzzentrum Stadt sucht ganzheitliche Lösungen
Was das Kompetenzzentrum Stadt besonders macht, ist die Verbindung unterschiedlicher Perspektiven auf Stadtentwicklung. Neben planerischer und räumlicher Expertise fließen auch sozialwissenschaftliche Fragestellungen ein. Denn die Entwicklung von Städten und Quartieren betrifft nicht nur Gebäude und Infrastruktur, sondern immer auch die Menschen, die dort leben. Durch diese Verbindung betrachtet das Kompetenzzentrum räumliche, ökologische und gesellschaftliche Entwicklungen gemeinsam und entwickelt so ganzheitliche Lösungen für die Städte von morgen.
Neben der Forschung begleitet das Kompetenzzentrum zahlreiche Praxisprojekte. Dazu gehören beispielsweise Handlungsleitfäden zur kommunalen Wohnbaulandentwicklung für Gemeinden in Schleswig-Holstein, Kooperationen zur Quartiersentwicklung sowie Beratungsleistungen für Kommunen.
Kompetenzzentrum Stadt verfolgt Ausbau von internationaler Zusammenarbeit
Ein weiterer Schwerpunkt ist das internationale Portfolio. Wir beschäftigen uns aktuell beispielsweise mit nachhaltiger und klimagerechter Stadtentwicklung in Südostasien
, so Frank Schwartze. Mit der Universität Kairo kooperiert das neue Kompetenzzentrum zum Thema Hitzestress in Städten, und in der Ukraine unterstützt es Kommunen bei Entwicklungsprozessen.
Als einziger Forschungs- und Studienstandort für Stadtplanung und Stadtentwicklung in Schleswig-Holstein nehmen wir eine besondere Rolle ein. Das Kompetenzzentrum hilft uns, diese Position weiter zu stärken und unsere Aktivitäten noch besser zu koordinieren
, so Schwartze weiter.
Kompetenzzentrum Angewandte Wasserforschung: Wasser ganzheitlich verstehen
Auch das Kompetenzzentrum Angewandte Wasserforschung ist aus einer bereits bestehenden Zusammenarbeit hervorgegangen. Es vereint Wissenschaftler*innen unterschiedlicher Fachrichtungen, die sich mit Wasser als zentraler Ressource beschäftigen. Am neuen Kompetenzzentrum beteiligt sind die Professoren Christoph Külls, Philipp Zantout-Wilfert, Kai Wellbrock, Norbert Reintjes, Edgar Nehlsen und Claas Heymann sowie Ozgur Kisi.
Gewässer und ihre Einzugsgebiete sind komplexe Systeme. Viele Fragestellungen lassen sich nur beantworten, wenn verschiedene Fachrichtungen gemeinsam daran arbeiten
, sagt Claas Heymann, aktueller Sprecher der ehemaligen Fachgruppe.
Im Mittelpunkt des neuen Kompetenzzentrums steht damit der Wasserkreislauf – ein komplexes Zusammenspiel natürlicher Prozesse und menschlicher Einflüsse. Damit dieser Kreislauf auch unter den Herausforderungen des Klimawandels, wachsender Nutzungsansprüche und zunehmender Umweltbelastungen funktionieren kann, sind vielfältige wissenschaftliche Perspektiven gefragt.
So soll an der TH Lübeck der Wasserkreislauf ganzheitlich erforscht werden
Genau an diesem Punkt setzt die Angewandte Wasserforschung an. Die beteiligten Wissenschaftler*innen betrachten die Ressource Wasser quasi entlang ihres gesamten Weges: von Niederschlag, Verdunstung und Wasserhaushalt über Flüsse, Seen und Küstengewässer bis hin zur Nutzung in Städten und Gemeinden. Es geht um tatsächlich anwendbare Konzepte für naturnahen Wasserbau, die nachhaltige Nutzung von Wasserressourcen und deren Schutz.
Gleichzeitig richtet sich der Blick auf Siedlungswasserwirtschaft, die Entfernung von Schad- und Spurenstoffen sowie die Rückgewinnung von Ressourcen aus Abwasserströmen. Moderne Messverfahren liefern dabei hochauflösende Daten, die mithilfe numerischer Simulationen und KI-gestützter Modelle ausgewertet werden. So lassen sich Prozesse im Wasserkreislauf besser verstehen, Veränderungen frühzeitig erkennen und zukunftsfähige Lösungen entwickeln.
Durch die enge Zusammenarbeit der verschiedenen Fachrichtungen entsteht ein ganzheitlicher Blick auf die Ressource Wasser. Das Kompetenzzentrum verbindet hydrologische, ökologische und ingenieurwissenschaftliche Expertise und schafft damit die Grundlage, um den Wasserkreislauf als lebenswichtige Ressource für Mensch und Umwelt nachhaltig zu erhalten und weiterzuentwickeln.
Sichtbarkeit für Forschung und Transfer
Mit der Gründung der beiden Kompetenzzentren stärkt die TH Lübeck ihre Profilbereiche in den Themenfeldern nachhaltige Raumentwicklung und Wasserforschung. Gleichzeitig sollen die Zentren den Wissenstransfer in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik fördern und neue Impulse für gemeinsame Forschungsprojekte setzen.
Die Kompetenzzentren verstehen sich dabei als zentrale Anlaufstellen für Kommunen, Unternehmen, öffentliche Einrichtungen und wissenschaftliche Partner*innen, die gemeinsam an Lösungen für die Herausforderungen von morgen arbeiten möchten.
Neben den beiden neuen Kompetenzzentren sind das Centrum für Industrielle Biotechnologie (CIB), das Kompetenzzentrum Kommunikation, Systeme, Anwendungen (CoSA) und das Institut für Interaktive Systeme (ISy) bereits seit sechs Jahren als Leuchttürme von Forschung und Transfer an der TH Lübeck etabliert.





