International vernetzt
Beraten, begleiten und empowern
Mein Weg an die TH Lübeck: Vom Viktoriasee an die Ostsee


Mein Weg nach Lübeck war ganz sicher kein Zufall – er begann viele tausend Kilometer entfernt, in einem kleinen, ruhigen Dorf am Ufer des Viktoriasees im Westen Kenias. Ich bin in einer Großfamilie mit 20 Kindern aufgewachsen – großgezogen von einer außergewöhnlich starken und liebevollen Mutter, die selbst nie ein Klassenzimmer von innen gesehen hat. Und doch war sie die klügste Lehrerin, die ich mir hätte wünschen können. Sie hat uns beigebracht, neugierig zu sein, Fragen zu stellen und vor allem: über den eigenen Horizont hinauszuschauen. Rückblickend glaube ich, dass genau dort – zwischen roten Lehmböden, Fischerbooten und afrikanischen Sonnenuntergängen – mein Wunsch entstand, die Welt zu entdecken.In der Schule begeisterten mich besonders Geographie und politische Geschichte. Dabei wurde mir früh bewusst, dass Kenia einst britische Kolonie war. Die koloniale Vergangenheit, die politischen Verflechtungen und die historische Verbindung zum Vereinigten Königreich weckten mein Interesse – nicht nur theoretisch, sondern ganz persönlich. Ich wollte verstehen, erleben und einordnen. Europa war für mich zunächst ein Kapitel im Lehrbuch – bis ich beschloss, es selbst zu erleben. Für mich kam damals das Vereinigte Königreich infrage – historisch verbunden mit meinem Heimatland und akademisch attraktiv. Also wagte ich den Schritt und zog für mein Masterstudium nach Großbritannien.
Ich liebte mein Leben im Vereinigten Königreich. Beruflich war ich aktiv in der Beratung von Asylsuchenden im Bereich des Einwanderungsrechts tätig. Die Arbeit war anspruchsvoll, politisch sensibel und menschlich intensiv. Ich lernte, komplexe rechtliche Sachverhalte verständlich zu erklären und Menschen in oft existenziellen Situationen Orientierung zu geben. Diese Zeit hat mich fachlich wie persönlich stark geprägt. Eigentlich war ich angekommen. Doch das Leben hatte einen kleinen geografischen Umweg für mich geplant. Meine damalige Partnerin hatte einen deutschen Hintergrund. Eines Tages saßen wir vor Google Maps und spielten gedanklich durch: Falls wir nach Deutschland ziehen würden – wohin eigentlich? Und dann passierte es. Ich klickte auf Lübeck: Wasser. Grünflächen. Backstein. Geschichte. Alles wirkte wie eine Insel – ruhig, charmant, offen. Ich sagte: „Da müssen wir hin. Nur mal schauen.“ Der Besuch war als Urlaub gedacht. Doch als ich durch die Altstadt ging, das Wasser sah und diese besondere Atmosphäre spürte, wusste ich: Das hier ist kein Urlaubsort. Das ist ein neuer Anfang. Kurz nach unserem Umzug nach Deutschland absolvierte ich eine Weiterbildung im deutschen Aufenthaltsrecht. Und fast zeitgleich entwickelte die TH Lübeck ein tragfähiges Konzept zur Unterstützung von Geflüchteten auf dem Weg ins Studium oder in die Ausbildung. Für mich war sofort klar: Das passt. Fachlich. Persönlich. Biografisch.
Nur wenige Monate nach meiner Ankunft in Deutschland fand ich meinen Weg an die TH Lübeck. Das Bewerbungsgespräch war für mich ein besonderes Erlebnis. Aus dem Vereinigten Königreich war ich Interviewrunden mit ein oder zwei Personen gewohnt. In Lübeck saß ich plötzlich etwa acht Menschen gegenüber. Und mein Deutsch war zu diesem Zeitpunkt – sagen wir – noch im Aufbau. Ich dachte: Das wird spannend. Doch was ich dort erlebte, hat mich nachhaltig beeindruckt. Ich habe selten ein so freundliches, professionelles und zugleich echtes Interesse daran erlebt, was jemand mitbringt, welche Kompetenzen vorhanden sind und welche neuen Ideen entstehen können. Es ging nicht darum, Defizite zu suchen. Es ging darum, Potenziale zu erkennen. Genau das ist für mich bis heute Teil der Kultur der TH Lübeck: Kompetenzen werden gesehen, Chancen werden gegeben, neue Perspektiven sind willkommen.
Viele Jahre später bin ich immer noch hier. Nicht mehr allein, sondern mit meiner Familie. Von einem kleinen Dorf in Kenia bis an die Ostsee – mein Weg war geografisch lang, aber innerlich sehr geradlinig. Und manchmal beginnt alles mit einem Klick auf Google Maps.
Meine Aufgaben: Beraten, begleiten und empowern
Das International Office ist für viele internationale Bewerberinnen und Bewerber die erste Anlaufstelle – und oft auch der erste persönliche Kontakt mit der TH Lübeck. Wenn es um internationale Studierende geht, klingelt meistens zuerst bei uns das Telefon. Mein Arbeitsbereich beginnt daher lange vor dem eigentlichen Studienstart und begleitet unsere Studierenden durch nahezu alle Phasen ihres Weges. Ich berate internationale Studieninteressierte Schritt für Schritt im gesamten Bewerbungsprozess: von der Anerkennung ausländischer Bildungsnachweise über Zulassungsvoraussetzungen und Bewerbungsformalitäten bis hin zur Immatrikulation. Darüber hinaus unterstütze ich bei Fragen rund um Visum, Einreise, Meldeverfahren in Deutschland, Aufenthaltstitel, Krankenversicherung, Kontoeröffnung und Wohnungssuche. Der Übergang in ein neues Land bringt viele organisatorische Herausforderungen mit sich – hier verstehen wir uns als strukturgebende Begleitung.
Nach Studienbeginn endet die Beratung nicht. Wir begleiten internationale Studierende während ihres gesamten Studiums – insbesondere bei finanziellen Fragestellungen, sozialen Herausforderungen oder persönlichen Belastungssituationen. Gerade Studierende in finanziell prekären Situationen benötigen oft individuelle Lösungen und eine sensible Beratung. Ein weiterer Schwerpunkt meiner Arbeit liegt im Bereich Interkulturalität, Diversität und Empowerment. Ich führe interkulturelle Workshops für Studierende und Mitarbeitende durch und berate zu Themen der Vielfalt, Teilhabe und chancengerechten Hochschulentwicklung. Gemeinsam mit meinem Team organisieren wir zudem Netzwerk- und Integrationsveranstaltungen, um internationale Studierende mit regionalen Akteuren, Unternehmen und der Zivilgesellschaft zu vernetzen. Unser Ziel ist es, nicht nur akademische Integration zu ermöglichen, sondern auch gesellschaftliche Teilhabe zu fördern.
Ein besonderer Bereich unserer Arbeit ist die Unterstützung von Geflüchteten und Asylsuchenden beim Zugang zu Studium oder Ausbildung – unabhängig vom jeweiligen Aufenthaltsstatus. Hier verbinden sich meine fachliche Expertise im Aufenthaltsrecht und meine berufliche Erfahrung aus dem Vereinigten Königreich mit der strategischen Ausrichtung der TH Lübeck. Darüber hinaus tragen wir Verantwortung für die Betreuung unserer Studienkolleg-Teilnehmenden, die sich in einem einjährigen studienvorbereitenden Programm auf ihr Fachstudium vorbereiten. Auch hier geht es nicht nur um organisatorische Fragen, sondern um Orientierung, Stabilität und Perspektivenentwicklung.
Meine Motivation: Lebenswege begleiten
Was mich an meiner Arbeit am meisten motiviert, ist die Arbeit mit Menschen. Es gibt kaum etwas Erfüllenderes für mich, als zu sehen, wie Studierende mein Büro mit einem Lächeln verlassen – besonders dann, wenn sie zuvor mit Sorgen oder Unsicherheiten gekommen sind.
Ich erinnere mich an mehrere Situationen im September, wenn Studierende zur Immatrikulation erscheinen – mit ihren Koffern. Sie sind gerade erst in Deutschland angekommen, voller Erwartungen, aber ohne gesicherte Unterkunft. Nach einigen intensiven Telefonaten und viel Improvisation verlassen sie mein Büro auf dem Weg in ein Hostel für die ersten Tage. Es ist vielleicht keine langfristige Lösung – aber in diesem Moment bedeutet es Sicherheit. Und das Lächeln in ihren Gesichtern ist unbezahlbar.
Oder die E-Mails, die später folgen: „Vielen Dank für Ihre Unterstützung – ich habe jetzt meine Aufenthaltserlaubnis.“ Und manchmal auch die ehrlichen Nachrichten: „Ich suche immer noch eine Wohnung …“
Diese Mischung aus Erfolgsmomenten und realen Herausforderungen macht meine Arbeit so bedeutungsvoll. Jeder einzelne Fall zeigt mir, dass Präsenz, Geduld und Engagement einen Unterschied machen können – nicht nur organisatorisch, sondern im Leben und in der Zukunftsperspektive eines Menschen. Zu wissen, dass meine Arbeit Studierenden Orientierung gibt, Barrieren abbaut und Chancen eröffnet, ist für mich tägliche Motivation. Deshalb fällt es mir leicht, morgens aufzustehen und zur Arbeit zu gehen. Ich arbeite nicht nur in einem Büro – ich begleite Lebenswege. Und genau das liebe ich an meiner Arbeit.
Mein Team: Mitdenken, Mittragen und Mitgestalten
Ich kann mit Überzeugung sagen: Ich arbeite in einem außergewöhnlich starken Team. Und das war vom ersten Tag an so.
Die Zusammenarbeit ist geprägt von gegenseitigem Vertrauen, Hilfsbereitschaft und einem sehr hohen Maß an Professionalität. Gerade im internationalen Kontext stoßen wir regelmäßig auf komplexe bürokratische Fragestellungen – insbesondere im Aufenthaltsrecht, bei Anerkennungsverfahren oder in ausländerrechtlichen Sonderkonstellationen. In solchen Momenten ist es entscheidend, sich aufeinander verlassen zu können.
Was ich besonders schätze: Ich habe mich nie allein gefühlt. Meine Kolleginnen und Kollegen sind jederzeit bereit, einzuspringen, mitzudenken und gemeinsam Lösungen zu entwickeln – oft sogar, bevor ich selbst aktiv um Unterstützung bitten muss. Dieses proaktive Miteinander ist keine Selbstverständlichkeit, sondern Ausdruck einer starken Teamkultur. Wir arbeiten nicht nebeneinander, sondern miteinander. Dabei verbindet uns ein gemeinsames Ziel: Studierende bestmöglich zu unterstützen und komplexe Prozesse für sie so verständlich und strukturiert wie möglich zu gestalten.
Diese Kultur des Mitdenkens, Mittragens und Mitgestaltens macht die Zusammenarbeit für mich nicht nur professionell erfolgreich, sondern auch menschlich wertvoll. Und genau das ist – neben der inhaltlichen Arbeit – ein wesentlicher Grund, warum ich so gerne an der TH Lübeck arbeite.
Mein Arbeitsalltag: Organisation trifft Empathie
Mein Arbeitsalltag bewegt sich zwischen klarer Struktur und gelebter Flexibilität. Auf der einen Seite gibt es einen gut geplanten Arbeitsablauf: feste Beratungstermine, abgestimmte Teammeetings, die Bearbeitung von Bewerbungen, behördliche Korrespondenz oder die Vorbereitung von Workshops und Veranstaltungen. Auf der anderen Seite kann jeder Tag auch spontan zum „Notfalltag“ werden – je nachdem, wer mein Büro betritt und welches Anliegen mitgebracht wird.
Wir arbeiten mit Terminvergaben, doch die Realität zeigt: Die wichtigsten Gespräche entstehen oft ungeplant. Studierende oder Bewerberinnen und Bewerber stehen plötzlich vor der Tür – mit Fragen zum Visum, finanziellen Sorgen, Problemen mit Behörden oder ganz existenziellen Unsicherheiten.
Unser Anspruch ist es, den bestmöglichen Service zu bieten – auch dann, wenn kein Termin gebucht wurde. Niemand wird an der Tür abgewiesen. Wer ohne Termin kommt, muss möglicherweise etwas warten, aber jede Person bekommt ein offenes Ohr.
Genau diese Kombination macht meine Arbeit so spannend: Ich weiß morgens, was ich mir vorgenommen habe – und ich weiß gleichzeitig, dass sich dieser Plan innerhalb weniger Minuten ändern kann.
Diese Dynamik, dieses Wechselspiel zwischen Planung und spontaner Lösungsfindung, macht meinen Arbeitsalltag anspruchsvoll, abwechslungsreich und lebendig. Und genau das macht ihn für mich so besonders. I love it!
Mein Lieblingsort: Die Welt zu Gast in meinem Büro

Mein Lieblingsort auf dem Campus ist tatsächlich mein Bürogebäude – denn dort passiert alles. Hier kommen Menschen aus aller Welt zusammen. Täglich begegne ich Studierenden und Bewerberinnen und Bewerbern mit ganz unterschiedlichen Geschichten, Perspektiven und Träumen. Manchmal habe ich das Gefühl, die Welt kommt einfach zu mir – direkt durch die Bürotür. Genau diese internationale Dynamik macht diesen Ort für mich so besonders.
Wenn ich das Büro verlasse, genieße ich meine Pausen gerne im Carlebach-Park – besonders im Sommer. Das Grün und die Ruhe bieten einen schönen Ausgleich zu einem oft intensiven Arbeitsalltag.
Ein weiterer Ort, den ich sehr schätze, ist die Bibliothek. Dort finde ich Raum zum Lesen, zum Austausch mit anderen und – wenn nötig – auch einen stillen Rückzugsort im Ruheraum. Gerade an Tagen mit vielen Gesprächen und hoher Dynamik ist diese ruhige Atmosphäre sehr wertvoll.
Meine Stadt: Das Beste aus Natur und und Gemeinschaft

Mein Zuhause ist Ratzeburg – und genau diese Nähe zu Lübeck empfinde ich als großen Gewinn. Ratzeburg ist eine besondere Stadt. Sie liegt idyllisch zwischen vier Seen und ist von Wasser und Natur geprägt. Die Altstadt befindet sich auf einer Insel, umgeben vom Ratzeburger See – das verleiht der Stadt eine außergewöhnliche Ruhe und Offenheit. Gleichzeitig ist sie geschichtsträchtig, mit dem beeindruckenden Ratzeburger Dom als Wahrzeichen. Was ich besonders schätze, ist diese Kombination aus Natur, Überschaubarkeit und Lebensqualität. Man kennt sich, man grüßt sich, und dennoch ist man schnell mitten im regionalen Geschehen.
Und genau hier entsteht für mich die besondere Verbindung: Lübeck ist nur etwa 20 Minuten entfernt. Zwei Städte, die unterschiedlicher wirken – und sich doch wunderbar ergänzen.
Lübeck bietet die Dynamik, Internationalität und akademische Vielfalt einer Hochschulstadt. Ratzeburg bietet Ruhe, Natur und ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Ich fühle mich beiden Städten sehr verbunden. Ratzeburg ist mein Lebensmittelpunkt, mein Anker. Lübeck ist mein beruflicher Wirkungsort, mein täglicher Begegnungsraum mit der Welt.
Für mich bedeutet das: morgens in einer von Seen umgebenen Stadt aufzuwachen – und wenig später in einem internationalen Hochschulumfeld zu arbeiten. Diese Nähe zwischen Natur und Internationalität, zwischen Ruhe und Dynamik, macht die Region für mich zu einem idealen Arbeits- und Lebensort.
Weiterführende Informationen
Kontakt zum International Office TH Lübeck – Beratung & Service
Das International Office ist die Anlaufstelle der TH Lübeck für alle, die aus dem Ausland zu uns kommen, oder ins Ausland gehen möchten. Wir beraten und unterstützen internationale Studierende und Gastwissenschaftler*innen und stehen allen Mitgliedern der TH Lübeck von den ersten Überlegungen bis zur finalen Umsetzung kompetent zur Seite. Sie finden uns im Studierenden Service Centrum in Gebäude A.1. Wir sind online, per E-Mail, telefonisch und persönlich erreichbar.




