Die norddeutsche Region verfügt bereits über starke Forschungs- und Innovationsstrukturen in der Biotechnologie und Lebensmitteltechnologie mit einem Schwerpunkt in Lübeck. Gleichzeitig gilt die dänische Region Seeland – insbesondere Kalundborg – als führend im Bereich nachhaltiger Industrie- und Stoffkreisläufe. Ihr gemeinsames Potenzial wird bislang jedoch noch nicht vollständig genutzt.
Fehmarn BioLink schafft konkrete Begegnungen, in denen Unternehmen, Hochschulen und weitere Wissenseinrichtungen gemeinsame Chancen erkennen und Kooperationen entwickeln können
, erklärt Fehmarn BioLink-Projektleiterin Michelle Jeppesen – Projektmanagerin am Erhvervshus Sjælland (Business Hub Zealand).
Mit der entstehenden Fehmarnbelt-Verbindung als neuer physischer Infrastruktur möchte Fehmarn BioLink auch die menschliche und fachliche Infrastruktur stärken: Durch Study Tours, Workshops und Case Competitions vernetzt das Projekt Hochschulen, Start-ups und etablierte Betriebe beider Länder.
Study Tour an der Technischen Hochschule Lübeck
Am Mittwoch, den 20. Mai 2026, fand mit einer Study Tour in Lübeck das erste Netzwerktreffen des Projekts seit dem offiziellen Auftakt im April in Kalundborg statt. Dänische Unternehmer*innen, Clustervertreter*innen sowie Hochschuldozent*innen und -Student*innen waren zu Gast. Sie erhielten im Kompetenzzentrum Centrum Industrielle Biotechnologie (CIB) an der Technischen Hochschule Lübeck Einblicke in verschiedene Labore und Projekte des CIB, unter anderem MAAKOMal, LübeckerReste und HI Lübeck aus dem Fokusfeld Ernährung und Bioökonomie. Die vorgestellten Projekte beschäftigen sich mit nachhaltigen biotechnologischen Lösungen und deren Wissenstransfer zwischen Hochschulen und Wirtschaft.
Neben der Besichtigung des Biotechnikums und verschiedenen Laboren stand auch eine ausführliche Einführung in die Anlage zur Hochdruckextraktion mit überkritischem CO2 auf dem Programm. Ergänzend stellten weitere Bereiche der TH Lübeck ihre Arbeit vor: FARMfuture mit Konzepten für eine Landwirtschaft ohne fossile Energieträger sowie PRECISE aus dem Kompetenzzentrum CoSA mit einem KI-basierten Sensor gegen Lebensmittelverschwendung.
Interesse der Teilnehmenden an grenzüberschreitenden Kooperationen
Diese Impulse der Lübecker Forscher*innen stießen auf konkretes Interesse an zukünftigen Kooperationen: So brachte Nicolai Vædele, Senior Consultant am Campus Kalundborg, das Interesse dänischer Partner*innen an den Forschungsaktivitäten des CIB im Bereich Reststoffverwertung zur Sprache. Der Campus Kalundborg ist ein Hochschul- und Innovationsstandort, der geprägt ist durch eine Verzahnung von Industrie und Kreislaufwirtschaft.
Auch Marianne Hansen, Head of Sales und CSR-Verantwortliche bei Nordinvent, nutzte die Study Tour zum Kontakte knüpfen. Sie verfolgt die Vision einer digitalen Plattform, die Unternehmen aus dem Bereich Reststoffe vernetzt – Wie ein Tinder für Sidestreams
, so Marianne Hansen. Die Plattform soll sich langfristig von Dänemark bis nach Südschweden und Norddeutschland erstrecken.
Annette Høgh Sonnichsen vom dänischen Business Hub Zealand zog ein positives Fazit von der Study Tour: Als Unternehmensberaterin ist ein starkes Netzwerk in Norddeutschland besonders wichtig, da die Region Dänemark so nah ist. Nach dieser Reise wird es deutlich leichter sein, dänische Start-ups von Formaten wie diesen zu überzeugen.
Weitere Formate sind bereits geplant: Im November 2026 reisen deutsche Start-ups und Unternehmensvertretungen zu einer Study Tour nach Kalundborg und Kopenhagen. Für Februar 2027 sind zudem internationale Case Competitions vorgesehen, bei denen Unternehmen praxisnahe Aufgabenstellungen an Studierende aus Deutschland und Dänemark geben.
Brücke zwischen Wissenschaft und Praxis
Das Projekt bietet unseren Studierenden hervorragende Möglichkeiten, ihr Fachwissen in einem internationalen Kontext praxisnah anzuwenden
, sagt Prof. Dr. Veronika Hellwig, Leiterin des Kompetenzzentrums CIB an der Technischen Hochschule Lübeck. Insbesondere Studierende der Studiengänge Angewandte Chemie B.Sc. und Nachhaltige Chemie M.Sc. können im Rahmen der geplanten Case Competitions gemeinsam mit dänischen Studierenden an praxisrelevanten Herausforderungen arbeiten und dabei wertvolle Erfahrungen in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit und Kommunikation sammeln.
Darüber hinaus stärkt das Projekt die Expertise der beteiligten Einrichtungen in der Bearbeitung interdisziplinärer Fragestellungen aus der industriellen Praxis. Die Erkenntnisse aus den deutsch-dänischen Aktivitäten fließen über die regionalen Transferaktivitäten in die Wirtschaft zurück sowie in das Lehrangebot an der TH Lübeck. Gleichzeitig positioniert sich das CIB durch die Zusammenarbeit mit Akteuren aus anderen Regionen stärker als Mitgestalter überregionaler Innovations- und Transformationsprozesse, insbesondere im Bereich der Verwertung biogener Reststoffe.
Über das Projekt
Fehmarn BioLink ist ein deutsch-dänisches Bildungs- und Innovationsprojekt zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Unternehmen, Studierenden und Hochschulen im Bereich Biosolutions in der Fehmarnbelt-Region. Das Projekt wird gemeinsam von Partner*innen aus Deutschland und Dänemark umgesetzt und durch die Europäische Union im Rahmen des Programms Interreg Deutschland-Dänemark – Pool für kürzere Projekte – gefördert.






