Solar Decathlon Africa: TH Lübeck plant und baut nachhaltiges Haus in Marokko

Es sind Studierende der Architektur, des Ingenieurwesens, der Kommunikationswissenschaften sowie auch der Musik, die ein gemeinsames Ziel verfolgen. Für den internationalen Hochschulwettbewerb „Solar Decathlon Africa“ haben sie ein solarbetriebenes Energieplus Wohnhaus entworfen und dieses im September 2019 in Ben Guerir/Marokko gebaut.

Heiß erwartet! Der Wettbewerb Solar Decathlon mit der TH Lübeck als einzige deutsche Hochschulvertretung. Foto: TH Lübeck

Selbst ist das Team - Lehm wird angemischt. Foto: TH Lübeck

Alles wird berücksichtigt, vom Sensor bis zu den Sanitäranlagen. Foto: TH Lübeck

Ein Haus entsteht! Foto: TH Lübeck

Tradition wird berücksichtigt, hier wie dort! Foto: TH Lübeck

Punktlandung, gearbeitet wurde Tag und Nacht. Foto: TH Lübeck

Septembermond über Afrika verfolgt den Baufortschritt. Foto: TH Lübeck

Die Studierenden waren von diesem internationalen Projekt total begeistert, dass sie bereits über eine Teilnahme am nächsten Solar Decathlon-Wettbewerb nachdenken. Foto: TH Lübeck

Die Lübecker bewarben sich gemeinsam mit Studierenden von der Partnerhochschule Université Internationale de Rabat (Leitung von Prof. Dr. Imane Benenni) sowie einem Konsortium von drei akademischen Institutionen aus Dakar (Leitung Prof. Mbacké Niang) unter dem Teamnamen „AFRIKATATERRE“ zur Teilnahme am „Solar Decathlon Africa“-Wettbewerb. Es handelt sich dabei um einen Hochschulwettbewerb, der 2002 in den Vereinigten Staaten gegründet wurde, dort schon mehrfach stattfand und inzwischen auch auf anderen Kontinenten ausgetragen wird. 2019 zum ersten Mal in Afrika, Austragungsland ist Marokko.

Die TH Lübeck war die einzige deutsche Hochschule, die an dem Wettbewerb in Marokko teilgenommen hat. In dem Wettbewerb ging es darum, ein solargetriebenes, nachhaltiges Gebäude zu entwickeln, durchzuplanen und dann innerhalb von nur drei Wochen selbst zu bauen.

Das Team hat sich ein Chameleon als Teamlogo gegeben und ist Programm. Die Haut des Tieres erlaubt ihm stets eine angemessene Temperierung und Anpassung an seine Umwelt. Die Studierenden waren bemüht, bei der Planung ihres Gebäudes die Umgebung und die Verhältnisse vor Ort in ihre Überlegungen einzubeziehen. Entsprechend war das Vorgehen im Planungs- und Bauprozess, das sie wie folgt beschrieben: „Wir wollen nicht ein „Musterhaus“, sondern eine „Methode“ vorstellen, die es dem Wohnungsbau erlaubt, in den unterschiedlichen Regionen des Kontinents, jeweils individuell, dabei kostensparend und nachhaltig auf die verschiedenen Randbedingungen einzugehen. Das sind natürlich klimatische und geografische, aber auch soziale, politische, und viele weitere Bedingungen.

Nachdem das Gebäude entwickelt und geplant war, startete am 21.8.2019 der offizielle Baubeginn vor Ort in Ben Guerir/Marokko. Ab da wurden 75 bis zu 1,6t schwere Stampellehmblöcke gesetzt, ein Holzständerwerk im Innern aufgebaut, Leitungen verlegt, Sanitäranlagen montiert, Fenster eingebaut, Solarkollektoren befestigt, die Steuerung eingebaut, Sensoren verteilt und zeitgleich die gesamte Inneneinrichtung fertiggestellt.

In der Bauphase gab es gleich mehrere Herausforderungen zu meistern. So waren die für den Baustart benötigten Lehmbausteine nicht zum vereinbarten Zeitpunkt erstellt und geliefert worden. Kurzentschlossen produzierten die Studierenden die großen Lehmquader selbst - nach Absprache mit dem Besitzer der Unterkunft vor Ort sogar auf dem Grundstück des Hotels. Projektassistentin und Architektin Zineb El Mounhi sieht die Verwendung von Lehm als Baumaterial als besonders geeignet beim Lübecker Entwurf. Nach ihren Worten sei es der traditionelle Baustoff und passe gut zu den Anforderungen des Wettbewerbs. Lehm sei nachhaltig, günstig, energieeffizient und regional verfügbar.

Die Initiatoren des Projektes sind sensibilisiert dafür, dass Bauen zu den Bedürfnissen der Menschen vor Ort, den klimatischen, kulturellen, ökologischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen passen muss. Dies ist auch eines der Lernziele für die Studierenden. Das Grundkonzept des Projektes, so El Mounhi, sei es zunächst Wohnraum zu schaffen, der sich an unterschiedlichste Bedingungen anpassen kann. In technischer Hinsicht sei es wichtig, bei der Erstellung mit lokalen Ressourcen und Techniken zu arbeiten, die sich bewährt hätten.

Darüber hinaus wurde im Projekt auf erneuerbare Techniken gesetzt, wobei „low-tech“ vor „high-tech“ kommt. So wurde zum Beispiel das System des traditionellen Windturmes zur Klimatisierung in Kooperation mit einem Team der Partnerhochschule in Rabat weiterentwickelt und ein „pad-cooling“ wurde integriert! Solarpanels auf dem Dach versorgen das Gebäude des Teams „AFRIKATATERRE“ mit Strom, ein Warmwasserkollektor bereitet das Wasser auf.

Das Lübecker Team hat es im Rahmen der vorgegebenen Zeit geschafft. Ca. zwei Stunden vor Fristende war das Gebäude fertiggestellt. Die Studierenden haben nicht nur ihr Projekt in der vorgegebenen Zeit in die Praxis umgesetzt, sie erhielten auch den 1. Wettbewerbspreis in der Kategorie „Architektur“ und landeten in der Kategorie „Nachhaltigkeit“ auf dem 2. Platz. In der Kategorie „Architektur“ wurden die Kriterien Ästhetik, Idee und architektonische Integration der Technologien bewertet. So soll der Beitrag zeigen, dass man sowohl solare als auch energetische Aspekte mit architektonischen Standards erfolgreich zusammenbringen kann. Das ist dem Team „AFRIKATATERRE“, nach Ansicht der Preisrichter am besten gelungen.

In der Kategorie „Nachhaltigkeit“ wurden die Projekte in Bezug auf nachhaltige Entwicklung des Bauwesens bewertet. Auch hier war das Lübecker Projekt erfolgreich. Insgesamt traten 18 Teams in 10 Kategorien an.

Prof. Heiner Lippe von der TH Lübeck, Gesamtkoordinator des internationalen Teams sieht den besonderen Erfolg des Projektes darin, dass eine interdisziplinäre Zusammenarbeit der Studierenden der TH Lübeck auch über Technikfächer hinaus gelungen sei. Für Lippe war es wichtig: “… nicht nur ein technisch, energieeffizientes, architektonisch interessantes, nachhaltiges Projekt zu schaffen, sondern auch einen kulturellen und künstlerischen Aspekt zu integrieren.“

Unter diesem Gesichtspunkt ist auch eine Komposition sowie eine Soundinstallation erarbeitet und umgesetzt worden, die bereits ihre Uraufführung hatte.

Weitere Informationen zu „AFRIKATATERRE“ finden Interessierte unter: www.afrikataterre.com und bei INSTAGRAM unter AFRIKATATERRE