„Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften werden alles daransetzen, dass die Studierenden das Sommersemester 2020 erfolgreich absolvieren können."

Mit einer gemeinsamen Stellungnahme des Sprecherkreises der Gruppe der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften / Fachhochschulen (HAWs) in der Hochschulrektorenkonferenz (HRK) zur Corona-Krise, erteilen sie den Überlegungen, das Sommersemester 2020 als sogenanntes "Null-Semester" bzw. "Nicht-Semester" zu behandeln, eine klare Absage.

Dr. Muriel Helbig: "An der Technischen Hochschule Lübeck haben wir - wie an vielen anderen Hochschulen auch - unglaublich schnell und pragmatisch auf das Verbot von Präsenzlehre und weitere tiefgreifende Einschnitte reagiert." Foto: TH Lübeck

Dr. Muriel Helbig: "An der Technischen Hochschule Lübeck haben wir - wie an vielen anderen Hochschulen auch - unglaublich schnell und pragmatisch auf das Verbot von Präsenzlehre und weitere tiefgreifende Einschnitte reagiert." Foto: TH Lübeck

Der Sprecherkreis wendet sich mit der zentralen Botschaft "Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften werden alles daransetzen, dass die Studierenden das Sommersemester 2020 erfolgreich absolvieren können." an die hochschulpolitischen Instanzen in den Landes- und Bundesministerien.

„An der Technischen Hochschule Lübeck haben wir - wie an vielen anderen Hochschulen auch - unglaublich schnell und pragmatisch auf das Verbot von Präsenzlehre und weitere tiefgreifende Einschnitte reagiert. Etwa 80% unserer Lehre konnten wir in weniger als zwei Wochen digital umstellen, mit Ausnahme der Laborübungen, Praktika und Praxisprojekte. Das ist wirklich eine herausragende Leistung, die Lehrende und Studierende hier erbringen.

Dass diese Leistungen auch anerkannt werden, dafür setzen wir uns auf Landes- und Bundesebene ein. Damit aus dieser Krise auch eine Chance werden kann, brauchen wir hierfür flexible Gestaltungsspielräume. Das fordern die Hochschulen für angewandte Wissenschaften (HAW) und Fachhochschulen (FH) in der Hochschulrektorenkonferenz (HRK).“, unterstreicht Dr. Muriel Helbig, Präsidentin der TH Lübeck als Mitglied des Sprecherkreises und weist auf die zentralen Aussagen hin.

Die Kernaussagen in der Stellungnahme sind: Die Hochschulen für angewandte Wissenschaften

  • übernehmen Verantwortung für eine qualitativ hochwertige Lehre;
  • sie reagieren schnell und erfinderisch auf die Krise;
  • sehen in der Krise auch Chancen; und
  • brauchen Gestaltungsspielräume.

Wortlaut der Stellungnahme des Sprecherkreises der HAWs in der HRK:

"Mit großer Anteilnahme und wachsender Besorgnis verfolgen die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften die Auswirkungen der notwendigen Eindämmungsstrategie für das Corona Virus auf das öffentliche und private Leben. Dies betrifft auch ihren Studienbetrieb. Sie haben aktuell den Präsenzlehrbetrieb flächendeckend eingestellt. Damit leisten sie, wie andere Lehreinrichtungen auch, ihren Beitrag zur Verlangsamung der Ausbreitung des Virus.

Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften übernehmen Verantwortung für eine qualitativ hochwertige Lehre.
Die HAWs werden alles daransetzen, dass die Studierenden trotz dieser schwierigen Situation ihr Studium nicht unterbrechen müssen und das Sommersemester 2020 erfolgreich absolvieren können. In Verantwortung für ihre Studierenden bringen die HAWs in kürzester Zeit mit großem Engagement und beispielloser Kreativität fast flächendeckend Alternativen in Form von online Lehrformaten auf den Weg. Großen Anteil daran haben die Lehrenden, aber insbesondere auch die Service- und Verwaltungseinrichtungen, die mit großer Flexibilität und oft aus dem Homeoffice die Durchführung der Lehre unterstützen. Allen gebührt großer Dank für diese Leistung. Sie nehmen damit auch ihre Verantwortung wahr, die Studierenden durch eine schwere Zeit der Verunsicherung und sozialer Isolation zu begleiten.

Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften reagieren schnell und erfinderisch auf die Krise.
Das besondere Profilmerkmal der HAWs ist der hohe Anwendungsbezug in der Lehre und die große Nähe zur Praxis. Das bedeutet, dass an diesem Hochschultyp praktische Übungen oder der direkte Austausch mit Partnern aus Unternehmen und Sozialeinrichtungen eine wichtige Rolle in der Lehre spielen. Diese Tätigkeiten können ebenso wie beispielsweise Unternehmenspraktika und Auslandsaufenthalte nur begrenzt digital umgesetzt werden.

Daher ist zu beachten, dass die HAWs je nach Format auf die unterschiedlichen Herausforderungen reagieren müssen: Lehre, die sich digitalisieren lässt, kann an vielen Hochschulen stattfinden, so dass Studierende die vorgesehenen Kompetenzen erwerben können. Die vorgenannten "praktischen" Lehreinheiten hingegen werden in vielen Fällen nachgeholt werden müssen. Deswegen brauchen die HAWs von den Ländern ausreichend Spielräume für großzügige Lösungen, um diese teilweise sehr studiengangbezogenen Unterschiede ohne Nachteile für die Studierenden aufzuarbeiten.

Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften sehen in der Krise auch Chancen.
Die HAWs sind als praxisorientierte Hochschulen zutiefst überzeugt, dass die aktuelle Situation große Chancen für die Digitalisierung der Lehre und der damit verbundenen Serviceprozesse und Arbeitsmodelle birgt. Sie beinhaltet aber auch große Chancen für das Erfahren von Solidarität durch eine Hochschulgemeinschaft und der die Hochschulen tragenden Gesellschaft. Die in der Krise erworbenen Kompetenzen, insbesondere auch die Fähigkeit zu Solidarität und Mitgefühl, werden jetzt und in den Jahren nach der Pandemie von der Gesellschaft weltweit dringend gebraucht.

Die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften brauchen Gestaltungsspielräume.
Auch im nachfolgenden Wintersemester wird das Studium vermutlich noch nicht im Regelbetrieb sein, weshalb ein flexibler Umgang mit der Regelstudienzeit zu begrüßen ist. Die HAWs brauchen nach der Bewältigung der Corona Krise vor allem Zeit und Freiräume, um die neu entstandenen Lern- und Arbeitsformate gemeinsam mit den Studierenden und Mitarbeitenden zu analysieren und die richtigen Schlüsse für ihr zukünftiges Handeln in Lehre und angewandter Forschung zu ziehen. Dafür werden jetzt die Weichen gestellt.

Die HAWs bitten die Verantwortlichen in Bund und Ländern nachdrücklich um ihre Unterstützung:

  1. Ermöglichen Sie den Hochschulen die notwendigen Gestaltungsspielräume.
  2. Erteilen Sie den Überlegungen, das Sommersemester als sogenanntes "Null-Semester" bzw. "Nicht-Semester" zu behandeln, eine klare Absage."


Sprecherkreis der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften:

  • Prof. Dr. Karim Khakzar (Sprecher der Mitgliedergruppe der HAWs in der HRK), Präsident der Hochschule Fulda
  • Prof. Dr. Marcus Baumann, Rektor der FH Aachen und Vorsitzender der Landesrektorenkonferenz NRW
  • Prof. Dr. Andreas Bertram, Präsident der Hochschule Osnabrück
  • Prof. Dr. Monika Gross, Ehem. Präsidentin der Beuth Hochschule für Technik Berlin
  • Dr. Muriel Helbig, Präsidentin der Technischen Hochschule Lübeck
  • Prof. Dr. Anne Lequy, Rektorin der Hochschule Magdeburg-Stendal
  • Prof. Dr. Karin Luckey, Präsident der Hochschule Bremen
  • Prof. Dr. Martin Leitner, Präsident der Hochschule München
  • Prof. Dr. Winfried Lieber, Präsident der Hochschule Offenburg
  • Prof. Dr. Bastian Kaiser, Rektor der Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg, Vorsitzender HAW Baden-Württemberg e.V.


Pressekontakt:
Sprecher der Mitgliedergruppe der HAWs in der HRK:
Prof. Dr. Karim Khakzar, Präsident der Hochschule Fulda
E-Mail: praesident(at)hs-fulda.de
Tel.: 0661 9640 1011