Fachbereich Bauwesen der TH Lübeck präsentierte Lärmschutz-Probewand

Lärmschutz aus Lehm - anstelle von Beton und Aluminium? Das soll möglich werden. Ute Reeh vom Verein „Zentrum der Peripherie“ hat ein internationales Forschungsteam zusammengestellt, in dem die Technische Hochschule (TH) Lübeck gemeinsam mit der TU Berlin, dem Stampflehmexperten Martin Rauch aus Österreich, der Lehmbaufirma Lovis aus Leipzig und weiteren Spezialisten aus der Region eine Machbarkeitsstudie entwickeln.

Professor Heiner Lippe (4.v.r.) und die Studierenden Urs Seel, Paul Tschense und Inken Bork (v.l.) vor der Probewand in Nebelin. Foto: TH Lübeck

Professor Heiner Lippe (4.v.r.) und die Studierenden Urs Seel, Paul Tschense und Inken Bork (v.l.) vor der Probewand in Nebelin. Foto: TH Lübeck

Integrierte Tonelemente: das neue Zuhause für Bienen und Insekten. Foto: TH Lübeck

Integrierte Tonelemente: das neue Zuhause für Bienen und Insekten. Foto: TH Lübeck

Eine Probelärmschutzwand aus Lehm ist am Freitag, 5. Juni, in Nebelin (Brandenburg) eingeweiht worden, in Anwesenheit von Lokal- und Regionalvertretungen aus Politik, Wirtschaft und Umweltverbänden. Staatssekretärin Silvia Bender aus dem Brandenburgischen Ministerium für Infrastruktur und Regionalentwicklung überbrachte Grußworte und stellte sich an-schließend den Fragen der Beteiligten.

Der Grund für das naturnahe Konzept ist ein geplanter Bauabschnitt an der Autobahn A14, der in direkter Nähe des Dorfes Nebelin entstehen soll. Herkömmlich ist dafür eine Lärmschutzwand aus Aluminium und Beton angedacht. Das ortsansässige Zentrum für Peripherie entgegnet dem in Zusammenarbeit mit dem Forschungsteam, Unternehmen und den Menschen aus Nebelin eine wirksamere und zugleich nachhaltige Lösung: „Naturschutz hochklappen – eine Lärmschutzwand aus Lehm“. So könnte effektiv für das Befinden der Anwohner*innen gesorgt und gleichermaßen seltenen Insekten ein Zuhause geboten werden.

Professor Heiner Lippe, TH Lübeck, hat zusammen mit seinen Studierenden Urs Seel, Paul Tschense und Inken Borg vor Ort mit den betroffenen Menschen diskutiert. „Gemeinsam wurden in den letzten zwei Wochen mithilfe von Wellerlehmexperten Quader vorgefertigt und zu einer zwei Meter hohen Testmauer aufgesetzt“, sagt Heiner Lippe. Das insgesamt acht Meter lange Teststück wird mit gebrannten Tonelementen ergänzt, die von Kindern aus der Region hergestellt und eingesetzt wurden. Darin sollen Wildbienen und andere Insekten ihr zuhause finden.

Unterstützung erfährt das Team bei diesem Vorhaben von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU), dem Umweltministerium Brandenburg und der brandenburgischen Initiative Baukultur. 570 Meter Lehm-Lärmschutz könnten realisiert werden, wenn die Machbarkeit auf allen Ebenen dargestellt werden kann. Angestrebt sind jedoch bis über vier Kilometer. Um das Projekt realisieren zu können, will das Forschungsteam seine Studie bis Ende September 2020 vorlegen. An der TH-Lübeck werden dazu verschiedene Materialproben u.a. auf Druckfestigkeit und akustische Eigenschaften getestet. „Im Anschluss daran werden wir an der TH entsprechende Szenarien zum Lebenszyklus erarbeiten, um eine Vergleichbarkeit mit herkömmlichen Systemen zu erreichen“, erklärt Lippe.

Das Teilvorhaben des Lübecker Teams ist interdisziplinär angelegt. Neben den Studierenden des Bauingenieurwesens und der Architektur unterstützen auch Prof. Dr. Nils Kohlhase und Studierende des Maschinenbaus/ Verfahrenstechnik das Projekt.

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