Das Bauforum der Technischen Hochschule Lübeck hat sich an diesem Abend erneut in einen Ausstellungsort verwandelt. Zwischen den Pinnwänden mit Plakaten der Abschlussarbeiten und den Modellen aus Holz, Metall und anderen Materialien tummeln sich zahlreiche Menschen – von Absolvent*innen über Familienmitglieder und Freund*innen bis hin zu Interessierten aus der Branche. Die Ausstellung wurde am 9. Juli eröffnet und steht allen Interessierten noch bis zum 17. Juli offen.
Dieses Mal fällt wirklich auf, wie viele Familien hier sind und wie viele Blumensträuße bereits unterwegs sind
, sagt Muriel Helbig, Präsidentin der TH Lübeck. Das zeige, welchen Stellenwert diese Veranstaltung mittlerweile habe. Wir sind hier, um Ihnen allen zu gratulieren
, sagt sie weiter. Und vielleicht werde an diesem Abend sogar der ein oder andere Grundstein für die Zukunft gelegt.
Glückwünsche auch vom Staatssekretär Joschka Knuth
Herzlichen Glückwunsch, Sie haben es geschafft
, sagt Sebastian Fiedler, Dekan des Fachbereichs Bauwesen. Bis vor zwei Stunden habe er noch fleißige Studierende gesehen, die an ihren Werken und deren Präsentation gearbeitet und gefeilt hätten.
Damit bringen Sie jetzt eine Phase in Ihrem Leben zu Ende
, ergänzt Joschka Knuth, Staatssekretär im Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur. Solche Ereignisse gingen gleichermaßen mit Wehmut, Freude und Erleichterung einher. Ich möchte Ihnen heute mitgeben, dass Sie diese Freude und diesen Stolz emotional konservieren sollten
, sagt er.
Das letzte Wort in der Reihe der Redner*innen übernahm Raphael Stock, Bachelorabsolvent im Bereich Stadtplanung. Es sind wirklich tolle Ideen, die über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus wirken
, sagt er und fügt hinzu: Wir senden damit auch ein Signal: Wir können das. Wir sind ernst zu nehmen in der deutschen Architekturwelt.
Nach den Grußworten verlagerte sich der Fokus wieder auf die Ausstellung. Verteilt auf das Bauforum und angrenzende Bereiche des Gebäudes wurden mehr als 100 Abschlussarbeiten aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung, Bauingenieurwesen und Nachhaltige Gebäudetechnik vorgestellt.
Abschlussarbeit für den Wiederaufbau in Syrien
Einer der Absolventen ist Niklas Duppach, Masterabsolvent der Architektur. Bereits seit 2015 lässt ihn das Thema Syrien nicht mehr los. Zunächst waren es die vielen Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, um Frieden zu finden. Heute beschäftigt ihn die Frage, wie eine Rückkehr gelingen kann, wenn vielerorts die notwendige Infrastruktur fehlt.
Staatlich gebe es nur wenige Möglichkeiten, die zerstörten Wohnviertel wiederaufzubauen. Duppach wollte mehr über den Wiederaufbau erfahren. Gespräche mit Syrer*innen in Deutschland brachten ihn dabei nur bedingt weiter. Deshalb entschied er sich im Februar 2026, selbst einen Blick auf die Situation vor Ort zu werfen und mit den Menschen zu sprechen – er reiste nach Damaskus.
TH-Lübeck-Student besucht zerstörte Gebiete in Damaskus
Über Umwege konnte ich bei einer Familie vor Ort aufgenommen werden
, erzählt er. Er besuchte zerstörte Stadtteile wie Duma und Daraya und machte sich ein Bild vom informellen Leben vor Ort. Denn nur weil sich der Staat den Wiederaufbau nicht leisten kann, bedeutet das nicht, dass die Menschen nicht selbst versuchen, ihr Zuhause wieder herzurichten. Ruinen werden kurzerhand wieder bewohnt.
Daraus entstand die Idee für seine Masterarbeit: die Entwicklung modularer Wohnstrukturen im syrischen Nachkriegskontext. Im Baukastenprinzip entwickelte er Module, mit deren Hilfe ganze Häuser informell – also größtenteils von den Bewohner*innen selbst – errichtet werden können: bezahlbar, einfach und effektiv. Eine Idee mit großem Potenzial.
Architektur der Sinne als Leitthema
An anderer Stelle der Ausstellung geht es um die Architektur der Sinne – das Oberthema der Bachelorabsolvent*innen im Bereich Architektur. Im Fokus stand die Entwicklung einer architektonischen Infrastruktur entlang der historischen Pilgerroute Via Jutlandica zwischen Kiel und Lübeck. Ziel war es, eine Reihe von Rast- und Übernachtungsorten zu entwickeln, die unmittelbar auf die spezifischen Qualitäten ihrer Umgebung reagieren.
Eine Arbeit beschäftigte sich beispielsweise mit einem Ort der Stille und Begegnung. Durch naturnahe Baustoffe und eine organische Architektur sollte eine Verbindung von Spiritualität und Gemeinschaft geschaffen werden. Eine weitere Konstruktion zeigte ein Haus auf einer Art Floß, das über einen Steg mit dem Festland verbunden ist.
Die Arbeiten verdeutlichen eindrucksvoll, wie praxisnah das Studium an der TH Lübeck gestaltet wird. Es geht um reale Herausforderungen und umsetzbare Lösungen.
Abschiede auch im Kollegium
Doch nicht nur die Studierenden starten nach diesem Abend in einen neuen Lebensabschnitt. Im Zuge der feierlichen Eröffnung ging es auch um Abschiede. Nach sechs Jahren verlässt Professorin Lydia Rintz die TH Lübeck und wechselt an die Technische Universität Braunschweig.
Es ist immer schade, Kolleg*innen ziehen zu lassen
, sagt Sebastian Fiedler, der selbst seine Funktion als Dekan bald abgeben wird.
Ebenfalls verabschiedet wurde der Lehrbeauftragte Oliver Schubert, der den Studierenden fast 25 Jahre lang das Thema Baurecht nähergebracht hat.
Die Studiengänge zu den Abschlussarbeiten
Die vorgestellten Abschlussarbeiten zeigen, was entstehen kann, wenn Neugier, Kreativität und Fachwissen zusammenkommen. Wer selbst die Zukunft des Bauens mitgestalten möchte, kann an der TH Lübeck den Grundstein dafür legen:


















