Von Syrien bis zur Via Jutlandica: Bauforum.Profile zeigt Ideen für die Zukunft

Von der Architektur der Sinne bis zur Entwicklung modularer Wohnstrukturen in Syrien – die Bauforum.Profile wurden erneut feierlich eröffnet. Traditionell präsentieren die Absolvent*innen des Bauwesens der Technischen Hochschule Lübeck dort ihre Abschlussarbeiten. Die Ausstellung zeigt vielfältige Ideen und Lösungsansätze für aktuelle Herausforderungen der Baubranche. Für einen Studenten führte die Recherche dafür sogar in den östlichen Mittelmeerraum.

Viele Menschen stehen im Bauforum und schauen sich die Ausstellung an.

Die Eröffnungsveranstaltung der Bauforum.Profile war sehr gut besucht. Foto: Lutz Rößler

Vier junge Frauen stehen zusammen und halten Blumensträuße in den Händen.

Mittlerweile ist die Ausstellung Bauforum.Profile schon zu einer Institution geworden. Familienmitglieder und Freund*innen kommen zusammen und gratulieren und feiern mit den Absolvent*innen. Foto: Lutz Rößler

Raphael Stock, Bachelorabsolvent im Bereich Stadtplanung, bei seiner Abschlussrede. Foto Lutz Rößler

Ein Gruppenfoto von Menschen im Bauforum

Andrea Schauließ (v.l.), Muriel Helbig, Präsidentin der TH Lübeck, Sebastian Fiedler, Dekan des Fachbereichs Bauwesen, Joschka Knuth, Staatssekretär Staatssekretär im Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur, Lydia Rintz, Professorin für Städtebau, Raphael Stock, Bachelorabsolvent im Bereich Stadtplanung und Oliver Schubert, Lehrbeauftragter für den Bereich Baurecht. Foto: Lutz Rößler

Ein Student kniet neben seinem Modell, dass einen Teil von Damaskus zeigt.

Niklas Duppach, Masterabsolvent der Architektur, kniet neben seinem Modell zum Thema: Entwicklung modularer Wohnstrukturen im syrischen Nachkriegskontext. Foto: Lutz Rößler

Ein Modell einer zerbombten Stadt, die mit Modulen wieder aufgebaut werden kann.

Das Modell von Niklas Duppach. Foto: Lutz Rößler

Ein Modell aus Holz mit mehreren Hütten und Bäumen.

Ein Modell aus den Arbeiten zum Thema Architektur der Sinne. Foto: Lutz Rößler

ein Modell aus Holz mit einem Haus in der Mitte und Bäumen drumherum.

Ein Modell aus den Arbeiten zum Thema Architektur der Sinne. Foto: Lutz Rößler

Ein Mann schaut sich ein Plakat an.

Die Ausstellung ist noch bis zum 17. Juli für alle Interessierten offen. Foto: Lutz Rößler

Ein Modell aus Holz auf dem ein Haus auf einer Art Treppe steht.

Ein Modell aus den Arbeiten zum Thema Architektur der Sinne. Foto: Lutz Rößler

Unterschiedliche Baumaterialen zur Erstellung der Modelle.

An einem extra Ort wurden die Materialien ausgestellt, mit denen die Studierenden an ihren Modellen gearbeitet haben. Foto: Lutz Rößler

Drei Studentinnen hinter dem Tresen, vorne stehen Brezeln.

Studierende sorgten für die Verpflegung mit Brezeln, Sekt und Softgetränken. Foto: Lutz Rößler

Menschen stehen vor Modellen der Architektur.

Nach den Grußworten konnten sich alle Interessierten die Ausstellungsstücke ansehen. Foto: Lutz Rößler

Menschen stehen vor der Glasfront des Bauforums.

Die Bauforum.Profile war auch in diesem Jahr wieder sehr gut besucht. Im Außenbereich gab es etwas zu Essen und kühle Getränke. Foto: Lutz Rößler

Ein Modell aus Holz mit einem Häuschen und Bäumen.

Ein Exponat der Ausstellung. Foto: Lutz Rößler

Das Bauforum der Technischen Hochschule Lübeck hat sich an diesem Abend erneut in einen Ausstellungsort verwandelt. Zwischen den Pinnwänden mit Plakaten der Abschlussarbeiten und den Modellen aus Holz, Metall und anderen Materialien tummeln sich zahlreiche Menschen – von Absolvent*innen über Familienmitglieder und Freund*innen bis hin zu Interessierten aus der Branche. Die Ausstellung wurde am 9. Juli eröffnet und steht allen Interessierten noch bis zum 17. Juli offen. 

Dieses Mal fällt wirklich auf, wie viele Familien hier sind und wie viele Blumensträuße bereits unterwegs sind, sagt Muriel Helbig, Präsidentin der TH Lübeck. Das zeige, welchen Stellenwert diese Veranstaltung mittlerweile habe. Wir sind hier, um Ihnen allen zu gratulieren, sagt sie weiter. Und vielleicht werde an diesem Abend sogar der ein oder andere Grundstein für die Zukunft gelegt.

Glückwünsche auch vom Staatssekretär Joschka Knuth

Herzlichen Glückwunsch, Sie haben es geschafft, sagt Sebastian Fiedler, Dekan des Fachbereichs Bauwesen. Bis vor zwei Stunden habe er noch fleißige Studierende gesehen, die an ihren Werken und deren Präsentation gearbeitet und gefeilt hätten.

Damit bringen Sie jetzt eine Phase in Ihrem Leben zu Ende, ergänzt Joschka Knuth, Staatssekretär im Ministerium für Energiewende, Klimaschutz, Umwelt und Natur. Solche Ereignisse gingen gleichermaßen mit Wehmut, Freude und Erleichterung einher. Ich möchte Ihnen heute mitgeben, dass Sie diese Freude und diesen Stolz emotional konservieren sollten, sagt er.

Das letzte Wort in der Reihe der Redner*innen übernahm Raphael Stock, Bachelorabsolvent im Bereich Stadtplanung. Es sind wirklich tolle Ideen, die über die Grenzen Schleswig-Holsteins hinaus wirken, sagt er und fügt hinzu: Wir senden damit auch ein Signal: Wir können das. Wir sind ernst zu nehmen in der deutschen Architekturwelt.

Nach den Grußworten verlagerte sich der Fokus wieder auf die Ausstellung. Verteilt auf das Bauforum und angrenzende Bereiche des Gebäudes wurden mehr als 100 Abschlussarbeiten aus den Bereichen Architektur, Stadtplanung, Bauingenieurwesen und Nachhaltige Gebäudetechnik vorgestellt.

Abschlussarbeit für den Wiederaufbau in Syrien

Einer der Absolventen ist Niklas Duppach, Masterabsolvent der Architektur. Bereits seit 2015 lässt ihn das Thema Syrien nicht mehr los. Zunächst waren es die vielen Menschen, die aus ihrer Heimat fliehen mussten, um Frieden zu finden. Heute beschäftigt ihn die Frage, wie eine Rückkehr gelingen kann, wenn vielerorts die notwendige Infrastruktur fehlt.

Staatlich gebe es nur wenige Möglichkeiten, die zerstörten Wohnviertel wiederaufzubauen. Duppach wollte mehr über den Wiederaufbau erfahren. Gespräche mit Syrer*innen in Deutschland brachten ihn dabei nur bedingt weiter. Deshalb entschied er sich im Februar 2026, selbst einen Blick auf die Situation vor Ort zu werfen und mit den Menschen zu sprechen – er reiste nach Damaskus.

TH-Lübeck-Student besucht zerstörte Gebiete in Damaskus

Über Umwege konnte ich bei einer Familie vor Ort aufgenommen werden, erzählt er. Er besuchte zerstörte Stadtteile wie Duma und Daraya und machte sich ein Bild vom informellen Leben vor Ort. Denn nur weil sich der Staat den Wiederaufbau nicht leisten kann, bedeutet das nicht, dass die Menschen nicht selbst versuchen, ihr Zuhause wieder herzurichten. Ruinen werden kurzerhand wieder bewohnt.

Daraus entstand die Idee für seine Masterarbeit: die Entwicklung modularer Wohnstrukturen im syrischen Nachkriegskontext. Im Baukastenprinzip entwickelte er Module, mit deren Hilfe ganze Häuser informell – also größtenteils von den Bewohner*innen selbst – errichtet werden können: bezahlbar, einfach und effektiv. Eine Idee mit großem Potenzial.

Architektur der Sinne als Leitthema

An anderer Stelle der Ausstellung geht es um die Architektur der Sinne – das Oberthema der Bachelorabsolvent*innen im Bereich Architektur. Im Fokus stand die Entwicklung einer architektonischen Infrastruktur entlang der historischen Pilgerroute Via Jutlandica zwischen Kiel und Lübeck. Ziel war es, eine Reihe von Rast- und Übernachtungsorten zu entwickeln, die unmittelbar auf die spezifischen Qualitäten ihrer Umgebung reagieren.

Eine Arbeit beschäftigte sich beispielsweise mit einem Ort der Stille und Begegnung. Durch naturnahe Baustoffe und eine organische Architektur sollte eine Verbindung von Spiritualität und Gemeinschaft geschaffen werden. Eine weitere Konstruktion zeigte ein Haus auf einer Art Floß, das über einen Steg mit dem Festland verbunden ist.

Die Arbeiten verdeutlichen eindrucksvoll, wie praxisnah das Studium an der TH Lübeck gestaltet wird. Es geht um reale Herausforderungen und umsetzbare Lösungen.

Abschiede auch im Kollegium

Doch nicht nur die Studierenden starten nach diesem Abend in einen neuen Lebensabschnitt. Im Zuge der feierlichen Eröffnung ging es auch um Abschiede. Nach sechs Jahren verlässt Professorin Lydia Rintz die TH Lübeck und wechselt an die Technische Universität Braunschweig.

Es ist immer schade, Kolleg*innen ziehen zu lassen, sagt Sebastian Fiedler, der selbst seine Funktion als Dekan bald abgeben wird.
Ebenfalls verabschiedet wurde der Lehrbeauftragte Oliver Schubert, der den Studierenden fast 25 Jahre lang das Thema Baurecht nähergebracht hat.

Die Studiengänge zu den Abschlussarbeiten 

Die vorgestellten Abschlussarbeiten zeigen, was entstehen kann, wenn Neugier, Kreativität und Fachwissen zusammenkommen. Wer selbst die Zukunft des Bauens mitgestalten möchte, kann an der TH Lübeck den Grundstein dafür legen:

Bachelor Architektur 

Master Architektur

Bachelor Stadtplanung

Master Stadtplanung

Bachelor Bauingenieurwesen

Master Bauingenieurwesen 

Bachelor nachhaltige Gebäudetechnik